Wie können Ofennutzer den Ausstoß von Emissionen beeinflussen?

Nach einer Erhebung des TFZ kann der Betreiber die Emissionen an verschiedenen Stellen massiv beeinflussen. Bereits die Auswahl des Brennstoffes hat einen erheblichen Einfluss. Weiß die Nutzerin oder der Nutzer, dass Holz nicht zu feucht oder zu trocken sein darf und wählt er bevorzugt Scheite aus Hartholz, hat er bereits einen wesentlichen Beitrag zu Emissionsreduzierung geleistet. Auch das für die Feuerstätte geeignete Anzünden (meist von oben) und das Nachlegen zum richtigen Zeitpunkt (in der heißen Brennkammer ohne sichtbare Flammen) kann erlernt werden. Dazu kommt die korrekte Luftsteuerung, die bei richtiger Einstellung den Feinstaubausstoß um das 6,5-fache reduzieren kann. Insgesamt gehen verschiedene Veröffentlichungen davon aus, dass der korrekte Betrieb einer Feuerstätte den Schadstoffausstoß bis zu 50 Prozent senken kann – bislang unveröffentlichte Ergebnisse eines Feldversuchs des UBA legt jedoch weit höhere Werte nahe.

Grundsätzlich ist die Bedienungsanleitung der erste Ort, an dem sich Nutzerin und Nutzer über den korrekten Betrieb ihrer Feuerstätte informieren können. Die Anleitung geht nicht nur auf die Besonderheiten der Feuerstätte ein (Holzmenge, Zuluftsteuerung und Betreib als Kamin- oder Speicherofen), sondern gibt in den meisten Fällen auch Hinweise auf den emissionsarmen und brennstoffsparenden Betrieb. Die Bedienungsanaleitung ist Bestandteil der obligatorischen Typprüfung eines Ofens, die zulässigen Abgaswerte müssen bei striktem Vorgehen nach Bedienungsanleitung erreicht werden. In der Prüfmethode „BeReal“ wird zusätzlich zur Bedienungsanleitung ein „Quick-User-Guide“ verlangt, der die Bedienungsanleitung so kompakt und einfach wie möglich darstellt – und so Fehlbedienungen vermeidet.

Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger zeigen bei der Abnahme des Ofens und bei der Feuerstättenschau, die innerhalb von sieben Jahren zwei Mal stattfindet, den korrekten Betrieb. Diese hochkompetente und individuelle Einweisung ist wichtig, wirkt allerdings erst im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen. Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger treffen bei den Vor-Ort-Terminen tagsüber oft nicht die Person an, die den Ofen auch tatsächlich feuert. Sie sind darauf angewiesen, dass die Hinweise richtig weitergegeben werden – und der tatsächliche Nutzende sie auch befolgt. Allerdings können sie in der eingeplanten Zeit wertvolle Minuten nutzen, um Anzeichen für eine Fehlbedienung zu erkennen (etwa die „schwarze Scheibe“) und individuelle Hinweise zu geben.

Wird der Kamin- oder Kachelofen beim handwerklichen Ofenbauer oder Fachhändler bestellt, weist dieser üblicherweise in den Betrieb vor Ort ein. Diese „Feuertaufe“ ist verbreitet, allerdings nicht standardisiert. Üblicherweise wird beim ersten Entfachen des Feuers gezeigt, wie ein Ofen ressourcenschonend und effizient betrieben wird. Jede Händlerin oder jeder Händler beziehungsweise Handwerkerin oder Handwerker entscheidet selbst, wie viel Zeit er investiert und wie intensiv er den Betrieb zeigt. Die Branche denkt aktuell darüber nach, diese Feuertaufe zu standardisieren und multimedial zu erweitern.

Seit einigen Jahren gibt es die Idee eines „Ofenführerscheins“, bei dem die Nutzer die richtige Bedienung eines Kamin- oder Kachelofens lernen. Das Umweltbundesamt hat dazu Forschung in Auftrag gegeben, die ofenakademie.de schult seit November 2022 online Nutzerinnen und Nutzer in einem etwa zweistündigen Videokurs. Auch Verbände engagieren sich: Der Industrieverband HKI bietet in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern Präsenzschulungen für Gruppen an.

Verschiedene Wege führen zum Ziel, jede Art der Nutzerschulung hat ihre Vor- und Nachteile. Die Schulung in Präsenz ist reaktiv, kann also direkt auf Fragen eingehen. Die Schulungsvoraussetzungen können gut gestaltet werden, die Teilnehmer sind über den Zeitraum der Schulung nicht nur räumlich, sondern auch geistig präsent. Nachteilig ist allerdings, dass nur eine begrenzte Anzahl von Personen geschult werden kann. Selbst, wenn alle Mitglieder des Verbandes ein hohes Engagement zeigen und ihre Mitarbeitenden viele Schulungen abhalten lassen – man wird nur einen Bruchteil der etwa 11,2 Millionen Nutzer mit Präsenzschulungen erreichen, der Organisationsaufwand ist hoch.

Onlineschulungen haben dieses Problem nicht. Die Serverkapazität ist eine rein theoretische Grenze, die ofenakademie.de kann etwa nach Aussage von Gründer und Inhaber Max Kummrow tausende von zeitgleichen Zugriffen problemlos bearbeiten. Die Anschaulichkeit ist größer, man ist dort nicht auf die Ausstattung vor Ort angewiesen, sondern kann mit verschiedenen Videoclips aus unterschiedlichen Situationen die gesamte Bandbreite an Technologie abdecken und so umfassender einweisen als bei einer Präsenzschulung. Der Teilnehmende muss nicht zu einer bestimmten Zeit vor Ort erscheinen, sondern kann die Schulung flexibel sind seinen Tages- und Wochenablauf einplanen. Wie aufmerksam der Teilnehmende allerdings die Schulung aufnimmt, kann nicht kontrolliert werden – daher ist ein abschließender Test als Kontrolle wie bei der ofenakademie.de absolut notwendig.

Quellen:
Studie #ofenzukunft: Regenerative Wärme aus Holz als notwendiger Partner der Klimawende 2050

TFZ (2019): Nutzereinflüsse auf die Emissionen aus Kaminöfen. Berichte aus dem TFZ. Online über: https://www.tfz.bayern.de/mam/cms08/festbrennstoffe/dateien/tfz_bericht_61_nutzereinfluesse.pdf 

TFZ (2016): Entwicklung einer Testmethode zur verbesserten Beschreibung des Betriebsverhaltens von Holz-Einzelraumfeuerungen. Online über: https://www.tfz.bayern.de/festbrennstoffe/projekte/069351/index.php UBA (2021c): Ressortforschung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Forschungsrahmen und Ressortforschungsplan 2021. Online über: https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Forschung/ressortforschungsplan_gesamt_2021_bf.pdf

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