Rauch steigt während des Sonnenuntergangs aus dem Schornstein des Hauses auf.

Staubemissionen aus Holzfeuerungen: Neue Daten aus Österreich differenzieren die Debatte

Die Diskussion über Staubemissionen aus Holzfeuerungen wird häufig pauschal geführt. Ein im März 2026 veröffentlichtes Factsheet der BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH legt nun eine differenzierte Datengrundlage für Österreich vor. Die Autoren Markus Schwarz und Christoph Strasser analysieren auf Basis der österreichischen Luftschadstoffinventur die Emissionssituation im Jahr 2023 sowie Entwicklungspfade bis 2050. Das Dokument wurde in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Biomasse-Verband erstellt und ist öffentlich zugänglich.

Im Zentrum der Analyse stehen Biomasse-Kleinfeuerungen, zu denen auch Einzelraumfeuerstätten wie Kamin- und Kachelöfen zählen. Insgesamt tragen diese Anlagen laut Factsheet rund 19 Prozent zu den nationalen PM10-Emissionen bei. Innerhalb dieses Sektors entfallen etwa 3,5 Prozent der gesamten Feinstaubemissionen auf Öfen und Herde. Entscheidend ist jedoch die interne Differenzierung: Ein erheblicher Anteil der Emissionen wird durch veraltete Technologien verursacht, insbesondere durch ältere Stückholzsysteme ohne moderne Verbrennungsregelung.

Das Factsheet macht deutlich, dass die Emissionsintensität stark vom technischen Stand der Anlagen abhängt. Während ältere Feuerstätten vergleichsweise hohe Emissionsfaktoren aufweisen, liegen die Werte moderner Anlagen deutlich niedriger. Für zukünftige Szenarien werden für neue Feuerstätten signifikant reduzierte Emissionsfaktoren angesetzt. In der Gesamtbetrachtung ergibt sich daraus ein erhebliches Minderungspotenzial: Unter Annahme eines schrittweisen Austauschs des Anlagenbestands sowie technischer Weiterentwicklung wird bis 2050 eine Reduktion der Feinstaubemissionen aus Biomassefeuerungen um rund 85 Prozent erwartet.

Neben der Anlagentechnik identifiziert das Factsheet den Anlagenbetrieb als zentralen Einflussfaktor. Insbesondere bei handbeschickten Feuerstätten hat das Nutzerverhalten einen direkten Effekt auf die Emissionen. Parameter wie Brennstoffqualität, Anzündtechnik und Luftzufuhr bestimmen maßgeblich die Verbrennungsqualität. In Felduntersuchungen wurden Emissionsminderungen von bis zu 75 Prozent durch optimierten Betrieb nachgewiesen. Umgekehrt können Fehlbedienung und ungeeignete Brennstoffe zu einem deutlichen Anstieg der Emissionen führen.

Auch aus gesundheitlicher Perspektive wird im Factsheet zwischen unterschiedlichen Emissionsprofilen unterschieden. Partikel aus unvollständiger Verbrennung in älteren oder falsch betriebenen Anlagen enthalten höhere Anteile organischer Schadstoffe. Moderne, korrekt betriebene Feuerstätten emittieren dagegen überwiegend anorganische Partikel und erreichen insgesamt niedrigere Emissionsniveaus.

Ein weiterer Aspekt der Einordnung betrifft die Datengrundlage selbst. Die Autoren weisen darauf hin, dass die in Emissionsinventaren verwendeten Faktoren teilweise auf älteren Messungen oder europäischen Durchschnittswerten beruhen und den aktuellen Stand der Technik nicht vollständig abbilden. Daraus ergibt sich eine gewisse Unsicherheit in der Bewertung, insbesondere im Hinblick auf moderne Anlagen.

In der Gesamtschau lässt sich das Ergebnis des Factsheets klar einordnen: Der größte Hebel zur Reduktion von Staubemissionen liegt weniger in der grundsätzlichen Infragestellung von Feuerstätten, sondern in zwei Bereichen. Zum einen im Anlagenbestand, insbesondere durch den Austausch veralteter Geräte oder deren technische Nachrüstung. Zum anderen im Betrieb, also in der sachgerechten Nutzung der Anlagen durch die Betreiber. Beide Faktoren zusammen bestimmen maßgeblich das tatsächliche Emissionsniveau und damit die lufthygienische Wirkung von Einzelraumfeuerstätten im Bestand.

5 1 Abstimmung
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
Suche

Aktuelles
Die neuesten Beiträge

Newsletter

Anmeldung Newsletter

Kommen Sie mit uns ins Gespräch

Weitere Beiträge

  • Zahlen
  • Wirtschaft
  • Innovationen
  • Positionen
  • Umwelt
Rauch steigt während des Sonnenuntergangs aus dem Schornstein des Hauses auf.

Staubemissionen aus Holzfeuerungen: Neue Daten aus Österreich differenzieren die Debatte

20. April 2026

Ein aktuelles Factsheet der Forschungseinrichtung BEST zeigt, wo die wesentlichen Ursachen für Feinstaubemissionen liegen – und welche Hebel für eine wirksame Minderung entschei-dend sind.

Neuer Kennzahlenbericht rückt energetische Holznutzung in ein anderes Licht

15. April 2026

Die aktuelle Datenauswertung der Charta für Holz 2.0 zeigt: Wälder, Rohstoffströme und Klimabilanzen entwickeln sich anders, als es viele lange angenommen haben. Das hat Folgen für die politische Bewertung der energetischen Nutzung von Holz.

Rund 18 Prozent der in Deutschland verbrauchten Wärme stammten 2024 aus regenerativen Energien. Der Anteil der Bioenergie daran liegt bei 81 Prozent, wobei biogene Festbrennstoffe – vor allem Holz – am stärksten zur erneuerbaren Wärmeerzeugung beitrugen. Grafik: FNR

Biomasse bleibt wichtigste erneuerbare Wärmequelle

23. Juli 2025

Bioenergie war mit einem Anteil von über 80 Prozent auch 2024 der Hauptlieferant erneuerbarer Wärme in Deutschland.

Nach oben scrollen
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x