Ein Holzofen neben einer Wärmepumpe

Wärmepumpe und Holzofen: Warum die Wärmezukunft im Bestand hybrid werden könnte

195.000 Wärmepumpen wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland abgesetzt. Für die Ofenbranche muss dieser Hochlauf kein Verdrängungsszenario sein. Gerade im Gebäudebestand können Wärmepumpe und moderne Holzfeuerstätte unterschiedliche Aufgaben übernehmen und sich sinnvoll ergänzen.

Der Wärmepumpenmarkt wächst wieder kräftig. Nach der gemeinsamen Absatzstatistik des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) und des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 195.000 Wärmepumpen abgesetzt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von rund 40 Prozent. Für die Ofenbranche lohnt es sich allerdings, diese Entwicklung nicht ausschließlich als Wettbewerb zwischen zwei Heiztechnologien zu betrachten. Denn insbesondere im Gebäudebestand muss die Entscheidung keineswegs „Wärmepumpe oder Holzofen“ lauten. Viel häufiger könnte künftig die Frage gestellt werden, wie sich Wärmepumpe und Holzofen sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Die Wärmepumpe kommt zunehmend in den Bestand

Ein Blick auf die Neubauzahlen macht deutlich, warum diese Frage relevant wird. 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 58.900 neue Wohngebäude fertiggestellt. Rund drei Viertel davon werden hauptsächlich mit einer Wärmepumpe beheizt. Die Wärmepumpe ist im Neubau damit längst die dominierende Heiztechnik. Das Neubauvolumen reicht allerdings bei Weitem nicht aus, um einen Industrieabsatz von 195.000 Wärmepumpen innerhalb nur eines halben Jahres zu erklären. Ein erheblicher Teil der Geräte muss daher für bestehende Gebäude bestimmt sein. Dort treffen neue Wärmepumpen auf sehr unterschiedliche energetische Standards, Heizflächen und Wärmebedarfe – und nicht selten auf bereits vorhandene Kamin- und Kachelöfen.

Dabei ist wichtig, was die 195.000 Geräte statistisch überhaupt bedeuten. Es handelt sich um eine Industrieabsatzstatistik. Sie zeigt, wie viele Wärmepumpen die Hersteller in den Markt abgesetzt haben, nicht wie viele Haushalte vollständig auf eine Wärmepumpe umgestellt wurden. Vor allem sagt die Zahl nichts darüber aus, welche weiteren Wärmeerzeuger in den betreffenden Gebäuden vorhanden sind und weiter genutzt werden. Ein Kamin- oder Kachelofen, der seit Jahren im Wohnzimmer steht, taucht in dieser Statistik nicht auf – auch dann nicht, wenn er nach dem Einbau einer Wärmepumpe weiterhin regelmäßig betrieben wird.

Der Ofen liefert Wärme genau dann, wenn sie zusätzlich gebraucht wird

Gerade darin liegt die interessante Perspektive für den Ofen. Eine Wärmepumpe kann einen großen Teil der kontinuierlichen Wärmeversorgung eines Gebäudes übernehmen. Der Holzofen muss diese Aufgabe nicht ersetzen. Seine Stärke liegt vielmehr darin, flexibel zusätzliche Wärme bereitzustellen. An normalen Wintertagen arbeitet die Wärmepumpe, an besonders kalten Tagen oder bei kurzfristig höherem Wärmebedarf kann die Feuerstätte zugeschaltet werden. Befindet sich der Ofen in einem zentralen Wohnbereich, deckt er dort unmittelbar einen Teil des Wärmebedarfs und entlastet damit gleichzeitig das zentrale Heizsystem.

Das Zusammenspiel folgt einer einfachen Logik: Die Wärmepumpe eignet sich für eine kontinuierliche und automatisierte Wärmeversorgung, während der Ofen schnell und gezielt zusätzliche Wärme bereitstellen kann. Er muss dafür weder an jedem Wintertag noch rund um die Uhr betrieben werden. Gerade das flexible Zuheizen macht ihn zu einer sinnvollen Ergänzung. Für Eigentümerinnen und Eigentümer eines Bestandsgebäudes kann deshalb eine Kombination attraktiv sein, bei der die Wärmepumpe den überwiegenden Teil des Jahres arbeitet und der Holzofen dann genutzt wird, wenn zusätzliche Wärme gewünscht oder benötigt wird.

Aus „entweder – oder“ wird „sowohl als auch“

Damit verändert sich auch die Rolle des Holzofens innerhalb einer zunehmend elektrifizierten Wärmeversorgung. Seine Zukunft muss nicht darin liegen, mit der Wärmepumpe um die Rolle des alleinigen Hauptwärmeerzeugers zu konkurrieren. Interessanter ist seine Funktion als ergänzender, dezentraler und flexibel einsetzbarer Wärmeerzeuger. Ein Gebäude kann einen großen Teil seines jährlichen Wärmebedarfs elektrisch über eine Wärmepumpe decken und trotzdem an kalten Wintertagen Holz nutzen. Beide Technologien übernehmen dann unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Wärmeversorgungskonzepts.

Hinzu kommt eine Eigenschaft, die im normalen Heizungsalltag zwar selten im Mittelpunkt steht, für die Resilienz eines Haushalts aber relevant sein kann: Eine klassische, geeignete Holzfeuerstätte kann Wärme unabhängig vom Stromnetz bereitstellen. Fällt die Stromversorgung aus, steht die Wärmepumpe still, während der Ofen weiterhin Wärme liefern kann. Wärmepumpe und Holzofen kombinieren damit nicht nur unterschiedliche Energieträger, sondern auch unterschiedliche technische Eigenschaften. Die Wärmepumpe sorgt für effiziente, automatisierte Wärmeversorgung; die Feuerstätte erweitert die Optionen des Haushalts.

Auch die Förderung könnte schrittweise Lösungen interessanter machen

Die Veränderungen bei der Heizungsförderung könnten diese Perspektive zusätzlich stärken. Seit Juli 2026 gelten angepasste Förderbedingungen, die in verschiedenen Konstellationen zu niedrigeren Zuschüssen führen. Gleichzeitig bleiben die Antragszahlen nach aktuellen KfW-Zahlen auf hohem Niveau. Wenn der finanzielle Anreiz für einen vollständigen Austausch bestehender Technik geringer wird, kann es für Eigentümerinnen und Eigentümer attraktiver werden, die Wärmeversorgung schrittweise weiterzuentwickeln. Für den Ofen bedeutet das: Der Einbau einer Wärmepumpe muss nicht automatisch mit dem Verschwinden einer vorhandenen Feuerstätte verbunden sein.

Ob solche Kombinationen künftig tatsächlich deutlich häufiger werden, lässt sich aus den bisherigen Absatzdaten noch nicht belegen. Genau hier liegt eine statistische Lücke. Die Wärmepumpenstatistik zeigt neue Geräte, aber nicht die gesamte energetische Ausstattung der Gebäude, in denen sie später arbeiten. Für eine belastbare Bewertung wäre deshalb interessant zu wissen, wie viele Wärmepumpenhaushalte zusätzlich über einen Kamin- oder Kachelofen verfügen und wie häufig dieser zum gezielten Zuheizen eingesetzt wird.

Die Wärmepumpe könnte für den Ofen zur Chance werden

Der starke Wärmepumpenabsatz ist deshalb nicht automatisch eine schlechte Nachricht für die Ofenbranche. Je stärker die Wärmepumpe in den Gebäudebestand vordringt, desto wichtiger wird die Frage, wie sie dort sinnvoll ergänzt werden kann. Der Holzofen muss die Wärmepumpe nicht ersetzen. Seine Stärke kann gerade darin liegen, Wärme dann bereitzustellen, wenn sie zusätzlich benötigt wird, einen weiteren Energieträger verfügbar zu halten und im Ausnahmefall unabhängig vom Stromnetz Wärme erzeugen zu können.

Der Erfolg der Wärmepumpe und die Zukunft des Holzofens müssen deshalb kein Widerspruch sein. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall: Wenn die Wärmewende im Gebäudebestand zunehmend auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien setzt, kann die Wärmepumpe zu einem natürlichen Partner moderner Holzfeuerstätten werden. Die entscheidende Frage der kommenden Jahre lautet dann nicht nur, wie viele Wärmepumpen verkauft werden, sondern wie Wärmepumpe und Ofen im realen Gebäudebestand gemeinsam genutzt werden.

Quellen

Bundesverband Wärmepumpe (BWP) / Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH): Wärmepumpen-Absatz im ersten Halbjahr 2026; Statistisches Bundesamt: Baufertigstellungen und Heizenergien in neuen Wohngebäuden 2025; KfW: Informationen zur Heizungsförderung und zu den Anpassungen 2026. Redaktionelle Einordnung und Schlussfolgerungen zur Rolle des Holzofens: #ofenzukunft.

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