Ein KI-Bild. Es zeigt im Hintergrund die Flagge der EU. Davor ein Richterhammer sowie eine Waage, daneben ein Kaminofen.

Keine Angst vor guten Argumenten

Kommentar von Dr. Johannes R. Gerstner

EmpCo steht für „Empowering Consumers for the Green Transition“. Die europäische Richtlinie soll Verbraucher durch bessere Informationen und den Schutz vor irreführenden Geschäftspraktiken bei ihren Kaufentscheidungen unterstützen. Für Deutschland kommt es auf ihre Umsetzung in das Wettbewerbsrecht an, insbesondere in das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, das UWG. Für Unternehmen und Handwerksbetriebe stellt sich ganz praktisch die Frage, welche Aussagen in Werbung, auf Webseiten, in Broschüren oder gegenüber Kunden künftig zulässig sind – und welche Nachweise dafür nötig sind.

Dass diese neuen Regeln in unserer Branche nicht überall Begeisterung auslösen, kann ich gut verstehen. Werbematerialien zu überprüfen, Webseiten und Broschüren anzupassen, Formulierungen juristisch bewerten zu lassen und Nachweise zusammenzustellen, kostet Zeit und Geld. Gerade kleine Betriebe müssen ihren Alltag bereits zwischen Fachkräftemangel, technischen Vorgaben, Bürokratie und wirtschaftlichem Druck bewältigen. Wer tagsüber beim Kunden arbeitet und abends Angebote und Buchhaltung erledigt, kann zusätzliche Prüfpflichten nicht einfach nebenbei erfüllen. Entscheidend ist die Summe der Belastungen: Auch wenn jede einzelne Anforderung zu bewältigen sein mag, kann das Ganze einem Betrieb die Luft zum Atmen nehmen.

Auch sollten wir uns nichts vormachen: Nicht jede Frage wird künftig glasklar sein. Aussagen, die wir fachlich für richtig halten, können rechtlich angegriffen werden. Dann müssen Unternehmen oder Verbände sie gegebenenfalls auch juristisch verteidigen. Das kostet Geld und schafft Unsicherheit. Wenn Betriebe aus Sorge vor Auseinandersetzungen selbst auf sachlich fundierte Informationen verzichten, ist auch dem Verbraucher wenig geholfen. Umso wichtiger sind verständliche Maßstäbe und praxistaugliche Anforderungen an die Nachweise.

Der Anspruch an wahrheitsgemäße Werbung bleibt dennoch richtig. Unternehmen sollen keine falschen Versprechen machen. Wer mit Umweltvorteilen wirbt, sollte konkret erklären und belegen können, worin diese Vorteile bestehen. Diesen Grundsatz zu unterstützen bedeutet aber nicht, jede zusätzliche Regulierung für notwendig oder verhältnismäßig zu halten. Auch gute Ziele müssen sich daran messen lassen, welchen Nutzen ihre Umsetzung bringt und welchen Aufwand sie verursacht.

Seit Jahren fordern wir, dass moderne Holzfeuerstätten sachlich beurteilt werden. Wir wollen, dass technische Entwicklungen berücksichtigt werden und nicht der alte Ofen von gestern zum Maßstab für die Feuerstätte von heute gemacht wird. Wir argumentieren mit Emissionsminderungen, Wirkungsgraden, Versorgungssicherheit, regionalen Brennstoffen und technologischem Fortschritt. Wir verlangen von Politik, Behörden und Öffentlichkeit zu Recht, genauer hinzusehen. Diesen Anspruch sollten wir auch an unsere eigene Kommunikation anlegen. Zugleich dürfen wir verlangen, dass Politik und Verwaltung die betrieblichen Realitäten ebenso ernst nehmen und unnötige Bürokratie abbauen.

Wenn wir sagen, dass eine Technologie weniger emittiert, müssen wir benennen können, womit wir sie vergleichen und unter welchen Bedingungen. Wenn wir mit Effizienz argumentieren, brauchen wir belastbare Zahlen. Umweltvorteile sollten konkret beschrieben werden, einschließlich der Grenzen der jeweiligen Aussage. Daraus muss keine pauschale Gesamtbewertung eines Produkts werden. Eine belegte, klar eingegrenzte Aussage kann unsere Argumentation stärken, weil sie in der politischen und öffentlichen Debatte mehr trägt als ein eingängiger Werbeslogan.

Die neuen Vorgaben geben Anlass, die eigene Kommunikation sorgfältig zu prüfen. Das gilt besonders für pauschale Begriffe wie „umweltfreundlich“, „klimaneutral“ oder „nachhaltig“. Wie aufwendig diese Prüfung und mögliche Anpassungen ausfallen, hängt vom Einzelfall ab. Ein beiläufiges „Dann ändern wir eben die Webseite“ wird der Situation vieler Betriebe nicht gerecht. Wir sollten Risiken präzise benennen und konkrete Wege aufzeigen, mit ihnen umzugehen. Wer Orientierung geben will, muss die Sorgen der Betroffenen ernst nehmen.

Gerade im Ofenbau ist die Nachfolge vieler Betriebe ohnehin eine Herausforderung. Wenn Inhaber darüber nachdenken, wie lange sie noch weitermachen, spielen auch der Verwaltungsaufwand und die wirtschaftlichen Perspektiven eine Rolle. Ihre Zweifel lassen sich nicht allein durch einen zuversichtlicheren Ton ausräumen. Wir müssen ihnen zeigen, welche Unterstützung sie erhalten, und uns dafür einsetzen, dass wieder mehr Zeit für das eigentliche Handwerk bleibt. Mut entsteht durch konkrete Entlastung und verlässliche Perspektiven.

Für die Verbände ergibt sich daraus ein doppelter Auftrag. Sie müssen ihre Mitglieder bei der Umsetzung unterstützen: mit verständlichen Prüfhilfen, nachvollziehbar erläuterten Formulierungsbeispielen und gemeinsam aufbereiteten Informationen zu Nachweisen. Zugleich müssen sie gegenüber Politik und Verwaltung noch stärker auf Entlastung drängen. Dazu gehören klare Vorgaben, verhältnismäßige Nachweisanforderungen und der Abbau unnötiger Pflichten. Erfahrungen aus den Betrieben müssen in Stellungnahmen, politischen Gesprächen und bei der Überprüfung der Regeln Gewicht bekommen. Interessenvertretung darf sich nicht darauf beschränken, jede neue Belastung zu erklären. Sie muss darauf hinwirken, dass die Gesamtbelastung sinkt.

Vor allem sollte sich die Branche daran erinnern, dass sie gute Argumente hat. Moderne Feuerstätten haben sich technisch erheblich weiterentwickelt. Emissionen lassen sich messen, Wirkungsgrade lassen sich bestimmen, technische Verbesserungen lassen sich dokumentieren. Auch die Rolle von Holz und anderen biogenen Brennstoffen in der Wärmeversorgung lässt sich mit Fakten beschreiben. Wir müssen deshalb nicht lauter werden, sondern genauer – und möglicherweise auch professioneller und politischer in unserer Kommunikation.

Wir sollten deshalb an einer faktenbasierten Kommunikation festhalten und zugleich entschieden für zumutbare Rahmenbedingungen eintreten. Die Kosten und Risiken der neuen Vorgaben sind real. Sie verdienen praktische Antworten und eine Interessenvertretung, die sich mit weiterer Bürokratie nicht abfindet. Unsere Betriebe brauchen Unterstützung bei dem, was sie heute umsetzen müssen, und politischen Einsatz für das, was sich ändern muss. Wir haben gute Argumente – für unsere Technik ebenso wie für die Entlastung des Handwerks. Nutzen wir sie.

Fotovermerk: Bild wurde mit KI-Inhalten anpepasst.

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