Ein Haus mit Wärmepumpe und Holzofen

Warum der Kaminofen auch im neuen Heizungsgesetz nicht verschwinden wird

Kaum ein Gesetz hat in den vergangenen zwei Jahren so viel Streit ausgelöst wie das sogenannte Heizungsgesetz. Forderungen nach seiner Abschaffung gehören inzwischen zum festen Repertoire politischer Debatten. Doch wie realistisch ist ein kompletter Neustart überhaupt? Ein neuer juristischer Fachartikel liefert dazu jetzt eine überraschend klare Antwort – und bringt die Diskussion auf eine sachlichere Ebene.

In der aktuellen Ausgabe der  Zeitschrift für das gesamte Recht der Energiewirtschaft (EnWZ 2025, 444) kommen die Juristen Laura Radimeczky-Krekel und Jakob Fröhlich zu dem Ergebnis: Eine echte Abschaffung zentraler Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes wäre mit dem geltenden EU-Recht kaum vereinbar. Die Europäische Union verpflichtet ihre Mitgliedstaaten, beim Heizungstausch verbindliche Mindestanteile erneuerbarer Energien vorzuschreiben. Der Spielraum der nationalen Politik ist damit deutlich enger, als es viele politische Ankündigungen vermuten lassen.

„Der Artikel zeigt sehr deutlich: Es geht nicht um ein Zurück in die Zeit vor 2024, sondern um die Frage, wie wir die europäischen Vorgaben sinnvoll und technologieoffen umsetzen“, sagt Dr. Johannes R. Gerstner, politischer Berater der Initiative #ofenzukunft.. „Wer etwas anderes verspricht, weckt Erwartungen, die sich rechtlich kaum erfüllen lassen.“

Spannend ist diese Einordnung auch für Kamin- und Kachelöfen. Denn bisher konnten Einzelraumfeuerstätten anteilig – mit bis zu zehn Prozent – auf die Erfüllung der erneuerbaren Anforderungen angerechnet werden. „Dass Öfen überhaupt berücksichtigt wurden, war kein politischer Zufall“, so Gerstner. „Es war eine bewusste Entscheidung, dezentrale erneuerbare Wärme als Teil der Lösung zu verstehen.“

Genau hier setzt der neue Fachbeitrag an. Er macht deutlich, dass das EU-Recht zwar klare Klimaziele vorgibt, den Mitgliedstaaten aber Spielräume bei der Ausgestaltung lässt. Einzelraumfeuerstätten können darin weiterhin eine Rolle spielen – nicht als alleinige Heizlösung, sondern als ergänzende, erneuerbare Komponente in modernen Wärmekonzepten.

Für die Ofenbranche ist das eine wichtige Botschaft in einer aufgeheizten Debatte: Die Wärmewende kommt – aber sie muss nicht eindimensional sein. Technologieoffene Lösungen, regionale Brennstoffe und dezentrale Systeme gehören weiterhin in die Diskussion. Oder anders gesagt: Wer über die Zukunft des Heizens spricht, sollte den Ofen nicht vorschnell aus dem Blick verlieren.

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