Wenn im Europäischen Parlament über die Zukunft der Klimapolitik diskutiert wird, ist das kein Ort für Randthemen. Umso bemerkenswerter ist die Einladung, die Dr. Volker Schmatloch, Beiratsmitglied der #ofenzukunft, und Dr. Johannes R. Gerstner, politischer Berater der #ofenzukunft, am 11. Dezember 2025 nach Brüssel führte. Auf Einladung des Europäischen Parlaments nahmen sie an einer Konferenz anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Pariser Klimaabkommens teil – ein deutliches Signal dafür, dass auch die energetische Nutzung von Holz zunehmend Teil der europäischen Debatte über die Wärmewende ist.
Dass Vertreter der Kamin- und Kachelofenbranche bei diesem Anlass präsent waren, ist folgerichtig. Schließlich steht die moderne Ofentechnologie für einen praxisnahen Beitrag zur Reduzierung fossiler Energieträger im Gebäudebereich. Holz als erneuerbarer Energieträger kann – richtig eingesetzt und technologisch weiterentwickelt – dazu beitragen, CO₂-Emissionen zu senken und Versorgungssicherheit zu stärken. Gerade vor dem Hintergrund ambitionierter Klimaziele und einer immer konkreteren Bedrohungslage weltweiter Konflikte gewinnt dieser Ansatz politisch an Bedeutung.
Die Konferenz „From Promise to Action: 10 years of the Paris Agreement“ brachte hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Diskutiert wurden Fortschritte und Defizite seit 2015 ebenso wie die Frage, wie Europa seine Klimapolitik weiter zuspitzen kann. Für die Ofenbranche bot der Termin die Möglichkeit, die Perspektive einer Technologie einzubringen, die häufig kontrovers diskutiert wird, deren Beitrag zur Wärmewende jedoch differenziert betrachtet werden muss.
„Natürlich wird die energetische Holznutzung teilweise sehr kontrovers betrachtet – und nicht immer sind alle Argumente auf allen Seiten, ob aus Zivilgesellschaft, Parlament oder Wissenschaft, gleichermaßen überzeugend“, sagt Dr. Volker Schmatloch. „Doch eines bleibt unverrückbar: Mit moderner Ofentechnologie tragen wir dazu bei, CO₂-freundliche Wärme in die Wohnungen und Häuser der Europäerinnen und Europäer zu bringen und den Einsatz fossiler Brennstoffe zu reduzieren.“
Wärmewende braucht Klarheit
Kommentar von Dr. Johannes R. Gerstner, Experte für Energiepolitik und Berater der #ofen-zukunft
Was wir derzeit in Brüssel beobachten, ist keine kleine Korrektur, sondern eine erkennbare Verschiebung der klimapolitischen Logik. Die Europäische Union öffnet Türen: für Flexibilität, für internationale Zertifikate, für sektorübergreifende Ausgleichsmechanismen, für zeitliche Streckungen. Das ist politisch nachvollziehbar – und zugleich ambivalent.
Einerseits ist es richtig, den Anspruch europäischer Klimapolitik wieder stärker an ökonomische Realität, soziale Akzeptanz und Versorgungssicherheit anzubinden. Der Rückbau überbordender Berichtspflichten, die Entschärfung der Nachhaltigkeitsregulierung und die größere Offenheit bei der Zielerreichung zeigen, dass Brüssel verstanden hat, wie groß die Umsetzungsprobleme geworden sind. Europa gewinnt damit Handlungsspielräume zurück.
Andererseits gilt: Wo mehr Türen offenstehen, wächst auch der Raum für Fehlentscheidungen. Internationale Zertifikate, flexible Kompensationen und politische Verschiebebahnhöfe sind kein Selbstzweck. Sie können helfen, Klimaziele erreichbar zu machen – sie können aber auch dazu verleiten, strukturelle Antworten aufzuschieben. Klimapolitik wird damit weniger eindeutig, weniger linear, weniger berechenbar. Das erhöht die Verantwortung, die richtigen Optionen zu wählen.
Genau hier geraten Kamin- und Kachelöfen wieder stärker in den Blick – und zwar zu Recht. Moderne Einzelraumfeuerstätten sind in ganz Europa eine CO₂-freundliche Wärmequelle, wenn sie effizient betrieben werden und auf nachhaltigen Brennstoffen basieren. Sie liefern erneuerbare Wärme unabhängig von Stromnetzen, sie entlasten zentrale Energiesysteme in Spitzenzeiten und sie erhöhen die Resilienz in Krisenlagen. In einer Klimapolitik, die stärker auf Systemstabilität und Versorgungssicherheit schaut, sind das keine Randargumente mehr, sondern harte Faktoren.
Die neue europäische Tonlage eröffnet die Chance, Holzfeuerstätten nicht länger ideologisch, sondern funktional zu bewerten. Nicht als Gegenmodell zur Elektrifizierung, sondern als sinnvolle Ergänzung in einem vielfältigen, robusten Wärmesystem. Gerade in ländlichen Räumen, in Bestandsgebäuden und in Regionen mit funktionierenden regionalen Brennstoffkreisläufen sind Kamin- und Kachelöfen ein Baustein klimafreundlicher Wärmeversorgung – heute und auf absehbare Zeit.
Bedauerlich ist, dass dieser Perspektivwechsel nicht offensiver und strategischer geführt wird: Statt klare Leitplanken für emissionsarme, effiziente und nachhaltige Holzfeuerung zu setzen, öffnet die EU den Instrumentenkasten insgesamt – und überlässt vieles dem politischen Alltag. Das kann funktionieren. Es kann aber auch dazu führen, dass gute, robuste Lösungen im allgemeinen Flexibilitätsrauschen untergehen.
Wenn Europa diesen Weg geht, dann muss es ihn bewusst gehen. Mehr Offenheit darf nicht weniger Klarheit bedeuten. Kamin- und Kachelöfen zeigen exemplarisch, worum es jetzt gehen sollte: nicht um symbolische Technologieverbote oder -bevorzugungen, sondern um einen nüchternen Blick auf Klimawirkung, Versorgungssicherheit und Resilienz. Wer diese Kriterien ernst nimmt, kommt an moderner Holzfeuerung in Europa nicht vorbei.