Der Streit um die Frage, ob Holz eine erneuerbare Energie ist, die CO2-neutral zum Heizen genutzt werden kann, geht in eine neue Runde: Das Umweltbundesamt hat unlängst beim Berliner Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. (IKEM), einem An-Institut der Universität Greifswald, ein Gutachten in Auftrag gegeben, das den europäischen und deutschen Rechtsrahmen der energetischen Holznutzung aus Juristen-Sicht bewerten soll. Grundüberlegungen wurden in einem Fachworkshop vorgestellt, mehrere Professoren widersprachen umgehend. Und die Initiative #ofenzukunft hofft durch den Wachwechsel in Berlin auf neuen Wind in Dessau.
Grundtenor der ersten Überlegungen war, „übermäßiger Konsum (von Holz) soll durch einzelne Gesetze verhindert werden“. Potenziale zur Einschränkung der Nutzung sahen die Gutachter im Einzelnen im Nachschärfen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) der EU, in den Regeln zum nationalen wie europäischen Emissionshandel, im Nachschärfen von KWKG und EnWG, im GEG, in der Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) oder in der Einführung einer BioWärme-Nachhaltigkeitsverordnung, um die Kaskadennutzung gesetzlich zu verankern.
„Behauptung ist nicht gerichtsfest“
Stellung zu dem Fachvortrag nahmen umgehend Prof. a.D. Roland Irslinger (Tübingen), Prof. em. Dr. Dr.h.c. Ernst-Detlef Schulze (Jena) und Prof. i.R. Dr. Drs. h.c. Albrecht Bemmann (Dresden) in einem zehnseitigen Brief an die Institutsleitung des IKEM. Ihr Fazit ist eindeutig: „Holz-Biomasse aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern ist erneuerbare Energie. Die CO2-Neutralität von Holz ist eine systemimmanente Eigenschaft nachhaltiger Waldwirtschaft, unabhängig davon, ob das Holz stofflich oder energetisch verwertet wird. Die Behauptung, der Brennstoff Holz sei nicht CO2-neutral, ist wissenschaftlich nicht haltbar und daher auch nicht gerichtsfest.“
Im Wald verrottendes Holz setzt CO2 auch frei
Auch von einer gesetzlichen Verankerung der Kaskadennutzung halten die Experten für Wald und Klima nicht viel: „Eine juristische Verankerung des Kaskadenprinzips, wonach Holz nur nach vorheriger stofflicher Nutzung energetisch genutzt werden darf, würde bedeuten, dass das Waldrestholz ungenutzt im Wald liegen bliebe. Dies hätte in Deutschland zusätzliche fossile CO2-Emissionen in einer Größenordnung von 15 bis 20 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr zur Folge, weil stattdessen fossile Energieträger anstelle von Holz eingesetzt würden. Würde man das Waldrestholz im Wald belassen, würde die gleiche Menge an CO2 durch Verrottung im selben Zeitraum freigesetzt werden wie beim Verbrennen. Die natürliche Zersetzung läuft sehr schnell ab, so verrottet Buchenstammholz zu 50 Prozent in nur sechs Jahren, dünneres Waldrestholz noch viel schneller.“
Neue Regierung muss Fokus aufweiten
„Das UBA hört unserer Ansicht nach von alleine nicht auf, das Heizen mit Holz mehr und mehr zu verunglimpfen. Wir erwarten, dass die neue Regierung das Thema höher priorisiert und den Fokus deutlich aufweitet“, sagt Robert Mülleneisen, Sprecher der Initiative #ofenzukunft. Politische Entscheidungen sollten besser auf Basis von Fakten als auf Ideologien getroffen werden.
Ergänzung vom 21. Juli 2025
Studie vor Veröffentlichung
Nach neuesten Informationen der Initiative #ofenzukunft ist die Studie mittlerweile von den Juristen des IKEM überarbeitet und soll zur Vorbereitung der Veröffentlichung bereits dem Bundesumweltamt vorliegen. IKEM-Sprecher Dennis Nill stellte in einer Mail an die Redaktion der Initiative #ofenzukunft klar: „Ziel des Gutachtens ist nicht die Bewertung der energetischen Holznutzung an sich. Es wurde untersucht, wie der aktuelle Rechtsrahmen für den Einsatz von Holzenergie aussieht und welche Anpassungen möglich sind, um eine konsistente Rechtsordnung für eine zielsichere und umweltgerechte Nutzung von Biomasse im Energiekontext zu erreichen.“ Und er ergänzte: “ Die im Workshop vorgestellten und im Gutachten vertieft ausgearbeiteten Vorschläge für mögliche Anpassungen von Gesetzen basieren nicht auf einer vermeintlichen Grundannahme, welche die negative Wirkung von Holzenergie auf das Klima vorab festgelegt hat. Sie entstanden durch Analyse der geltenden Rechtslage und europäischer Leitlinien.“
Mülleneisen: „Wir bleiben gespannt!“
Robert Mülleneisen, Sprecher der Initiative #ofenzukunft, kommentierte die Hinweise des IKEM-Sprechers so: „Wir bleiben gespannt, zu welchen Ergebnissen der juristische Abgleich zwischen EU- und deutschen Recht kommt.“ Man werde besonders darauf achten, ob das UBA augenscheinlich nach Möglichkeiten habe suchen lassen, das Heizen mit Holz weiter einzuschränken: „Etwas anderes können wir uns nach bisherigen Erfahrungen nicht vorstellen. Aber wir lassen uns gern eines Besseren belehren.“