In den ersten kalten Tagen dieses Winters laufen die Wärmpumpen überwiegend mit schmutzigem Strom aus der Verbrennung von importiertem Erdgas und Steinkohle. Collage: Initiative #ofenzukunft

Ofenbauer entlarven die „Wärmepumpen-Lüge“

Deutschlands Ofenbauer sind es endgültig leid, dass das Heizen mit Holz jeden Winter aufs Neue von der Umwelt-Lobby verunglimpft wird. Deren alte Leier „Wärmepumpen sind sauber und Holzöfen sind schmutzig“ sei nicht länger zu ertragen, sagt Robert Mülleneisen, Vorstand des Gesamtverbands Ofenbau Deutschland (GVOB) und Sprecher der Initiative #ofenzukunft. Seine Experten haben genau hingeschaut und Verblüffendes entdeckt: Der Strom, mit dem die Wärmepumpen in diesen Winternächten laufen, stammt zum großen Teil aus der Verbrennung von ausländischem Gas und importierter Kohle. 

Die ersten kalten Tage sollten auch für die Verfechter des Heizens mit Strom Anlass sein, genauer hinzuschauen, sagt Mülleneisen. Seine Experten haben den Check auf www.electricitymaps.com gemacht und die Wärmepumpen-Lüge entdeckt. Hubertus Brunner, Geschäftsführer des gleichnamigen Ofenherstellers aus Eggenfelden, sagt: „In den letzten Tagen haben wir Deutschlands Strombedarf überwiegend durch die Verfeuerung von Kohle und Gas gedeckt, die über tausende Kilometer von mit Schweröl angetriebenen Frachtern über die Meere transportiert wurden, um hier in alten Kraftwerken mit einem Wirkungsgrad von 30 bis 40 Prozent in Strom umgewandelt zu werden.“ Die Sonne spielt in den Wintermonaten, in denen geheizt werden muss, kaum eine Rolle. Auch die Beiträge aus Wind, Wasser und Biomasse waren bislang eher gering. Um fünf Uhr früh wurden nur 22 Prozent waren regenerativ erzeugt, eben 27 Prozent des verbrauchten Stroms galten als CO2-arm produziert. Die spezifischen CO2-Emissionen pro Kilowattstunde betrugen 731 Gramm. „Und mit diesem schmutzigen Strom sollen wir bei minus fünf Grad Wärmepumpen antreiben, die dazu auch noch immer ineffizienter werden, je kälter es wird?“, fragt sich der Heiztechnik-Experte.

Schmutziger Strom in Wärmepumpen

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man sich den aktuellen Strommix Deutschland des Infodienstes Agora Energiewende anschaut: Der Strom, mit dem auch Wärmepumpen angetrieben werden, stammt in diesen ersten kalten Tagen des Winters zu über 70 Prozent aus konventionellen Gas- und Kohlekraftwerken.

„Wollen nur die Augen öffnen“

Unverständlich ist für Mülleneisen, dass die Politik in Brüssel und Berlin gleichzeitig über Gesetze und Verordnungen diskutiert, die verbieten, eine vor der Haustür stehende, dem Sturm oder Borkenkäfer zum Opfer gefallene Fichte an Tagen wie diesen in Wärme umzuwandeln. „Es geht uns nicht darum, dass morgen jeder Haushalt mit Holz heizt. Das wäre für unseren Wald nicht gut, auch wenn das dank innovativer Technologien mittlerweile sehr sauber möglich ist“, sagt Mülleneisen. „Wir wollen nur die Augen dafür öffnen, dass das Heizen mit Wärmepumpen lange noch nicht so sauber möglich ist, wie es uns von den vermeintlichen Umwelt- und Klima-Anwälten ständig eingetrichtert wird.

Politik zäumt Pferd von hinten auf

Über die Kosten habe man dabei noch gar nicht gesprochen: „Das Heizen mit Strom ist aktuell viel zu teuer“, sagt Mülleneisen. Die Politik gefährde die Energiewende, indem sie das Pferd von hinten aufzäume: „Eine breite Akzeptanz für die Nutzung von Wärmepumpen ist erst dann zu erwarten, wenn Strom sauberer wird und auch wieder bezahlbar ist.“ Und selbst dann würde es aus Techniker-Sicht durchaus Sinn machen, in besonders kalten Nächten den möglichst abgasarm arbeitenden Holzofen dazu zu betreiben. 

Wärmewende nur gemeinsam schaffbar

„Wir wollen die nötige Wämewende nicht torpedieren. Im Gegenteil. Wir Ofenbauer nehmen unsere Verantwortung ernst und arbeiten mit Hochdruck an einer noch effizienteren Abgasreinigung. Deshalb sind wir auch nicht bereit, uns ständig beschimpfen zu lassen“, schließt Mülleneisen. Die Wärmewende sei eine gigantische Herausforderung für ein dichtbesiedeltes Industrieland wie Deutschland. Deshalb könne die Abkehr von fossilen Brennstoffen auch nur gemeinsam gelingen und nicht gegeneinander: „Wir brauchen in Zukunft jede verfügbare Quelle, wenn wir im Winter nicht frieren wollen.“

„Wir wollen die nötige Wärmewende nicht torpedieren", sagt Robert Mülleneisen von der Initiative #ofenzukunft: "Im Gegenteil. Wir Ofenbauer nehmen unsere Verantwortung ernst und arbeiten mit Hochdruck an einer noch effizienteren Abgasreinigung. Deshalb sind wir auch nicht bereit, uns ständig beschimpfen zu lassen.“
„Wir wollen die nötige Wärmewende nicht torpedieren”, sagt Robert Mülleneisen von der Initiative #ofenzukunft: “Im Gegenteil. Wir Ofenbauer nehmen unsere Verantwortung ernst und arbeiten mit Hochdruck an einer noch effizienteren Abgasreinigung. Deshalb sind wir auch nicht bereit, uns ständig beschimpfen zu lassen.“
Hubertus Brunner, Geschäftsführer des gleichnamigen Heiztechnik-Herstellers aus Eggenfelden in Niederbayern, wehrt sich dagegen, dass die Holzfeuerung als schmutzig beschimpft, Wärmepumpen aber als sauber gelobt werden: “Sauber wird das Heizen mit Strom nur, wenn die Energie aus regenerativer Erzeugung kommt.” Aber das komme sie noch zu selten.
Ein Blick auf die ersten vier kalten Tage des Winters 2023: Die Erzeugung kommt dem Verbrauch kaum hinterher; das Gros der Leistung stammt aus konventioneller Erzeugung; die Bedeutung regenerativer Quellen bricht stark ein.
Ein Bick auf den aktuellen Strommix in Deutschland an einem frühen Donnerstagmorgen zeigt: Der Strom, mit dem vermeintlich saubere Wärmepumpen angetrieben werden, stammt überwiegend aus der Verstromung von Erdgas und Steinkohle in großen Kraftwerken. Strom aus Biomasse liefert auch noch einen Anteil, der von Wind ist eher klein.
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Thomsen
Thomsen
2 Monate ago

So ist es! Die Wahrheit wird leider ignoriert.

Wolfgang
Wolfgang
2 Monate ago

Ich bin den beiden Kollegen sehr dankbar für die Veröffentlichung der Tatsachen zum Thema „Energiewende“.
Die Herren und Damen die sich der Industrie verschrieben haben wissen eigentlich nichts über die saubere Wärme unsere Kachelöfen. Und noch weniger wissen die verantwortlichen Politiker über den Kachelofen. Es sei denn sie haben einen in ihrer Wohnung stehen. Was ich aber eher bezweifle.

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