Ein Thema, das in den rund 11.000 Rathäusern Deutschlands noch für heiße Debatten sorgen wird, heißt „Kommunale Wärmeplanung“: Der Bund hat die Städte über 100.000 Einwohner dazu verpflichtet, bis 2026 ihre Pläne für die künftige Wärmeversorgung ihrer Einwohner zu erarbeiten. Alle kleineren Kommunen haben zwei Jahre länger Zeit. Aktive der Initiative #ofenzukunft führten jetzt ein erstes Informationsgespräch zum Thema mit Dirk Trappe, dem stellvertretenden Leiter der Landesenergieagentur von Sachsen-Anhalt.

Holzofen vorerst kein Thema in der Kommunalen Wärmeplanung

Ein Thema, das in den rund 11.000 Rathäusern Deutschlands noch für heiße Debatten sorgen wird, heißt „Kommunale Wärmeplanung“: Der Bund hat die Städte über 100.000 Einwohner dazu verpflichtet, bis 2026 ihre Pläne für die künftige Wärmeversorgung ihrer Einwohner zu erarbeiten. Alle kleineren Kommunen haben zwei Jahre länger Zeit. Aktive der Initiative #ofenzukunft führten jetzt ein erstes Informationsgespräch zum Thema mit Dirk Trappe, dem stellvertretenden Leiter der Landesenergieagentur von Sachsen-Anhalt. 

Trappe berichtete Robert Mülleneisen, Guido Eichel, Dr. Johannes Gerstner und Joachim Kummrow von der Initiative #ofenzukunft, dass jetzt auf Ebene der Länder und in den ersten Kommunen die Arbeit an dem Thema anläuft. So sei in Sachsen-Anhalt ein Landeswärmeplanungsgesetz mit den dazugehörigen Verordnungen in Arbeit. Die ersten Kommunen hätten bereits Fördermittel abgerufen und seien jetzt auf der Suche nach externen Beratern für ihre Wärmeplanung. Von Seiten der Landesenergieagenturen plane man Unterstützungsangebote. So wolle Sachsen-Anhalt die Kommunen mit Daten versorgen.

Anschlusszwang erzeugt Akzeptanzproblem

Die Aktiven der Initiative #ofenzukunft wollten von dem Experten vor allem wissen, ob schon die Rolle der Einzelraumfeuerung in der Kommunalen Wärmeplanung definiert ist. Trappe sagte, „die private Holzfeuerung ist ein Thema, das in unseren fachlichen Debatten bisher keine Rolle gespielt hat.“ Er geht davon aus, dass die Ofenheizung von einem möglichen Anschluss- und Benutzungszwang in Fernwärmenetzen nicht bedroht ist. Trappe ergänzte, dass die Fernwärmeversorger gut daran tun würden, die Kaminöfen – wie zum Beispiel auch in Österreich – auch weiterhin als Fallbacklösung zuzulassen. Trappe erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass man vor nicht allzu langer Zeit das sogenannte magische Dreieck der Energieversorgung in ein Viereck umdefiniert habe: „Zu den wichtigen Eckpunkten Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit ist als viertes Kriterium die soziale Akzeptanz hinzugekommen.“

Effizienzpotenziale durch Rückgewinnung erschließen

In den Fokus der Kommunalen Wärmeplanung werden nach Ansicht von Trappe vor allem die Gebäude einer Stadt rücken, die mehr Wärme erzeugen, als sie selbst benötigen. Hierzu gehören große Produktionsbetriebe. Aber auch Rechenzentren oder sogar Einkaufszentren. Die Wärmerückgewinnung gehöre zu den größten Effizienzpotenzialen, die es schnell zu heben gelte. Bundesweit seien rund 70 Terrawatt Wärme aus der unvermeidbaren Abwärme zu gewinnen; das entspreche dem Bedarf einer ganzen Großstadt.

Kaminofen ist Rückversicherung

Im ersten Schritt gehe es darum, über die Kommunale Wärmeplanung die Potenziale und die Kosten zu erheben. Nach einer ersten Schätzung gingen die Energiemanager derzeit davon aus, dass die Wärmwende bis 2030 allein in Deutschland rund 600 Mrd. Euro kosten könne. In den neuen Bundesländern hat die Fernwärme aktuell einen Anteil von neun, in den alten aus historischen Gründen schon über 25 Prozent. Vor allem die großen Trabantenstädte Mitteldeutschlands würden von jeher durch Heizzentralen versorgt.

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