Dr. Johannes R. Gerstner steht am Rednerpult

Klares Signal für das Ofenbau-Handwerk beim Walter-Bucerius-Seminar

In seiner Keynote beim 112. Walter-Bucerius-Seminar in Titisee ordnete Dr. Johannes R. Gerstner die aktuelle Energie- und Regulierungspolitik ein und zeigte Perspektiven für die Zukunft des Ofenbaus auf

„Wo erleben Sie aktuell die größte Unsicherheit im Gespräch mit Ihren Kundinnen und Kunden?“ Mit dieser Frage eröffnete Dr. Johannes R. Gerstner am 3. März 2026 seine Keynote beim Walter-Bucerius-Seminar in Titisee. Noch bevor es um Gesetzestexte, Verordnungen und politische Prozesse ging, richtete der politische Berater der Initiative #ofenzukunft den Blick bewusst auf den Alltag im Ofenstudio und auf den Baustellen des Handwerks. Die Antworten aus dem Publikum ließen nicht lange auf sich warten: Große Unsicherheit treibt derzeit viele Kundinnen und Kunden um, die in die Ofenstudios kommen. Nicht selten zögern sie bei der Entscheidung für einen neuen Ofen – obwohl dieser für sie Versorgungssicherheit und eine ökologische Form der Wärme bedeutet. Die allgemeine politische und mediale Lage führt jedoch dazu, dass viele Menschen der Gesamtsituation nicht recht trauen und Investitionen zunächst aufschieben.

Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Handwerk, Industrie und Handel waren zu der zweitägigen Veranstaltung in den Schwarzwald gekommen, um sich intensiv über die Zukunft des Ofenbaus auszutauschen. In seiner Keynote ordnete Gerstner die aktuelle politische Situation rund um Wärmewende, Regulierung und Energiepolitik ein und machte zugleich deutlich, dass die Branche keineswegs am Rand stehe, sondern Teil der Lösung sein könne. Die Wärmewende sei politisch gesetzt, doch ihre konkrete Ausgestaltung befinde sich weiterhin im Fluss. Gerade in den kommenden Monaten würden wichtige Weichen gestellt – etwa bei der Überarbeitung der 1. BImSchV oder bei der europäischen Ökodesign-Regulierung für Einzelraumfeuerstätten.

Für das Ofenbau-Handwerk komme es deshalb darauf an, sich aktiv in diese Prozesse einzubringen. „Wir müssen keine Angst vor Regulierung haben, solange wir sie mitgestalten. Wenn wir Regulierung grundsätzlich ablehnen, werden wir am Ende von anderen reguliert“, erklärte Gerstner. Gleichzeitig plädierte er dafür, politische Rahmenbedingungen stärker an der praktischen Realität im Handwerk auszurichten. „Politik muss es ermöglichen, dass das Handwerk gut arbeiten kann. Sinnlose und teilweise widersprüchliche Regelungen müssen abgeschafft werden.“

Gleichzeitig machte der Politikberater Mut: Moderne Feuerstätten, innovative Abscheidetechnologien und neue Systemlösungen zeigten bereits heute, dass Holzfeuerungen auch künftig Teil einer sicheren und klimaverträglichen Wärmeversorgung sein können. Entscheidend sei, diese Lösungen selbstbewusst zu vertreten und weiterzuentwickeln. Entsprechend optimistisch fiel seine Perspektive aus: Die Branche verfüge über technologische Kompetenz, über starke handwerkliche Strukturen und über eine große installierte Basis in Europa. Seine Botschaft an die Zuhörerinnen und Zuhörer war daher eindeutig: Die Ofenbranche habe nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft – und zwar eine, die weit über die kommenden Jahrzehnte hinausreiche. „Diese Branche wird es auch in dreißig Jahren noch geben – mindestens.“

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