Übersicht über Wohnsiedlung bei Sonnenuntergang. Nur in einem Haus brennt ein Feuer im Holzofen.

Heizen mit Holz ist wichtige Hilfe im Krisenfall

In Deutschland gibt es aktuell 11,7 Mio. Kamin- und Kachelöfen. Jeder vierte Haushalt besitzt demnach eine Wärmequelle, die auch dann funktioniert, wenn der Strom ausfällt. Bislang stand das Heizen mit Holz häufig in der Kritik der Klimaschützer. Jetzt fordern Experten eine politische Neubewertung der Einzelraumfeuerstätten: Denn Kamin- und Kachelöfen sind ein unverzichtbarer Bestandteil in der Wärmeversorgung in Deutschland. „Das Heizen mit Holz gehört nicht länger an den Pranger, sondern muss in nationale Energie- und Katastrophenschutzstrategien integriert werden“, sagt Robert Mülleneisen, Präsident des Gesamtverbands Ofenbau Deutschland (GVOB). Eine jetzt in Berlin vorgestellte Studie der Initiative ofenzukunft.de erläutert, welchen Beitrag Holzöfen für die Stromnetzstabilität und für die Wärmeversorgung im Ernstfall leisten.

Die Ölkrise von 1973 wie das Schneechaos im Münsterland im November 2005 haben viele schon vergessen. Mehr in Erinnerung sind die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 oder die Sprengung der Nord-Stream-Gaspipeline im September 2022. Deutschland steckt seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine in der tiefsten Energiekrise seit Jahrzehnten. Der angelaufene Umbau von Stromerzeugung, Wärmeversorgung und Mobilität auf Erneuerbare Energien ist technisch komplexer – und auch langwieriger – als viele es sich vorgestellt haben.

Energieversorgung im Krisenmodus

Mit dem Krieg in der Ukraine wurde auch deutlich, wie verletzlich die Energieinfrastruktur ist: Hunderte IT-Experten wehren tägliche Cyberangriffe ab, das Militär wappnet sich gegen Drohnenangriffe. Und Experten der Versorger kämpfen täglich um eine gleichbleibende Spannung im Stromnetz und sorgen sich um ausreichend Druck im Gasnetz.

Stromabhängigkeit wächst weiter

In Deutschland ist die Abhängigkeit privater Haushalte von Strom und Gas seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts enorm gestiegen: Nur rund ein Viertel aller Haushalte käme im Ernstfall auch ohne aus: Und zwar jene, die noch einen Kamin- oder Kachelofen besitzen. Sie könnten im Notfall heizen und viele sogar heiße Mahlzeiten zubereiten. Und sie brauchen in Zeiten wachsender Waldbestände auch keine Angst haben, dass ihnen der Vorrat an Holz ausgeht.

Holzöfen sichern Wärmeversorgung

Bei Stromausfall oder Gasmangel sind nahezu alle Heizsysteme sofort außer Betrieb. Holzöfen hingegen bleiben einsatzfähig – selbst Modelle mit elektronischer Steuerung können manuell betrieben werden. Damit sind Holzöfen ein elementarer Baustein der individuellen und kollektiven Notfallvorsorge. Gerade in ländlichen Regionen ist die Ofendichte besonders hoch, sodass dort auch der Beitrag zur Widerstandsfähigkeit in Krisen bedeutend ist.

Entlastung für Stromnetze

Ganz nebenbei sind Holzöfen auch ideale Partner für Wärmepumpen, denn ihr Einsatz kann den Bedarf an Heizstrom sowohl an besonders kalten Wintertagen wie auch in der Übergangszeit reduzieren. Das entlastet die Netze von Verbrauchsspitzen, stabilisiert so das gesamte System.

Holzöfen stärken Resilienz

Darüber hinaus ist die Versorgungssicherheit mit Wärme nicht nur ein technischer, sondern auch ein sozialer und psychologischer Faktor: Wer weiß, dass im Ernstfall zumindest ein Raum seines Zuhauses beheizt werden kann, erlebt Krisen weniger als Kontrollverlust, bleibt handlungsfähig und kann sogar Nachbarschaftshilfe leisten. Solche Netzwerke stärken den sozialen Zusammenhalt und damit auch die gesamtgesellschaftliche Resilienz.

Brennstoff vor Ort vorhanden

Einzelraumfeuerstätten, wie Kamin- und Kachelöfen im Fachjargon genannt werden, erfüllen zentrale Anforderungen einer krisenfesten Wärmeversorgung: Sie sind robust, sind in fast 12 Mio. Haushalten vorhanden, sie funktionieren mit dem regional ausreichend vorhandenem und leicht lagerbarem Brennstoff Holz und sind – bei moderner Technik – sogar emissionsarm betreibbar.

Strategisch nutzbarer Rettungsanker

Ihre Bedeutung für die individuelle Handlungsfähigkeit wie auch für die Stabilität des Gesamtsystems hat außer dem Zivilschutz kaum jemand auf dem Schirm. Doch gerade angesichts wachsender Stromabhängigkeit, steigender Spitzenlasten, fragiler Lieferketten und zunehmender Extremwetterereignisse ist ihre systematische Einbindung in deutsche wie europäische Energie-, Klima- und Katastrophenschutzstrategien dringend geboten. Öfen tragen nicht nur zur Resilienz und Vorsorge bei – sie sind ein bereits vorhandener, strategisch nutzbarer Sicherheitsanker für den Ernstfall.

Die komplette Studie „Im Ernstfall zählt Wärme – Warum Millionen Holzöfen für Deutschland unverzichtbar sind“ finden Sie hier zum kostenlosen Download.

Übersicht über Wohnsiedlung bei Sonnenuntergang. Nur in einem Haus brennt ein Feuer im Holzofen.
Nur jeder vierte Haushalt in Deutschland hat bei einem längeren Stromausfall noch ausreichend Wärme: Experten fordern deshalb, das Heizen mit Holz politisch neu zu bewerten und in die Strategien zur Versorgungssicherheit aufzunehmen. Illustration: ofenzukunft.de
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