Symbolbild für erneuerbare Energien

Neue BMWE-Zahlen: Was bedeuten sie für Holzfeuerungen und den Wärmemarkt?

Wer über Öfen, Holz als Brennstoff und erneuerbare Wärme spricht, muss zuerst auf den Wärmesektor schauen – nicht auf die glänzenden Rekordmeldungen aus dem Strommarkt. Genau das zeigt auch die jetzt veröffentlichte Broschüre „Erneuerbare Energien in Zahlen 2024“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE).

Auf den ersten Blick beeindruckt der Stromsektor: 285,9 Terawattstunden Strom wurden 2024 aus erneuerbaren Energien erzeugt, der Anteil am Bruttostromverbrauch stieg auf 54,1 Prozent. Windenergie lieferte 138,9 TWh, Photovoltaik 75,4 TWh. Mehr als jede zweite Kilowattstunde Strom ist inzwischen erneuerbar. Doch für den Gebäudebereich und für die Frage nach moderner Feuerungstechnik ist eine andere Zahl entscheidender: Im Wärmesektor liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei lediglich 17,8 Prozent. 2023 waren es 17,4 Prozent. Insgesamt wurden knapp 192 TWh erneuerbare Wärme genutzt.
Während der Strombereich also die symbolische 50-Prozent-Marke überschritten hat, stammt im Wärmemarkt weiterhin weniger als jede fünfte Kilowattstunde aus erneuerbaren Quellen. Genau hier entscheidet sich, wie realistisch das Ziel der Klimaneutralität 2045 tatsächlich ist.
Innerhalb dieses Wärmesektors zeigt sich eine bemerkenswerte Struktur. Der Wärmepumpenmarkt ist laut BMWE-Auswertung 2024 „vorübergehend eingebrochen“, die Solarthermie verzeichnet weiter rückläufige Zahlen. Stabil geblieben ist hingegen die Wärmeerzeugung aus Biomasse.
Für Holz als Energieträger bedeutet das eine klare Feststellung: Biomasse bildet weiterhin das Rückgrat der erneuerbaren Wärmebereitstellung in Deutschland. Sie ist verfügbar, speicherfähig und nicht abhängig von tagesaktueller Wetterlage oder Netzzuständen.
Auch im Stromsektor spielt Biomasse eine relevante Rolle. 48,9 TWh Strom wurden 2024 aus Biomasse erzeugt. Damit ist sie nach Wind und Sonne die drittwichtigste erneuerbare Stromquelle – und vor allem die einzige größere erneuerbare Quelle, die kontinuierlich und bedarfsgerecht einspeisen kann.
Zugleich benennt die Bundesregierung offen die systemischen Spannungen des Strommarkts. In Phasen hoher Wind- und Solarproduktion entstehen Überkapazitäten, während in Zeiten geringer Einspeisung weiterhin fossile Kraftwerke oder Importe notwendig sind. Das Energiesystem bewegt sich zunehmend zwischen Extremen.

Für den Wärmemarkt und dezentrale Feuerungstechnologien ist diese Entwicklung nicht nebensächlich. Ein Energiesystem mit stark fluktuierender Stromerzeugung gewinnt an Stabilität durch ergänzende, lagerfähige Energieträger. Holz als Brennstoff erfüllt genau dieses Kriterium.

Über alle Sektoren hinweg erreichten die erneuerbaren Energien 2024 einen Anteil von 22,4 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch; am Primärenergieverbrauch liegt der Wert bei 19,9 Prozent. Das politische Ziel von 41 Prozent bis 2030 verdeutlicht, wie groß die verbleibende Strecke ist – insbesondere im Wärmebereich.

Durch die Nutzung erneuerbarer Energien wurden 2024 insgesamt 258,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden. Die Investitionen in neue Anlagen beliefen sich auf 33,3 Milliarden Euro. Das zeigt: Die Transformation ist in vollem Gange, aber sie bleibt differenziert zu betrachten.

Für die Diskussion um moderne Einzelraumfeuerstätten, nachhaltige Holznutzung und dezentrale Wärmeversorgung liefern die BMWE-Zahlen daher keinen Nebenaspekt, sondern einen zentralen Hinweis: Die Wärmewende ist der strukturelle Schlüssel der Energiewende. Und innerhalb dieses Wärmemarktes bleibt Biomasse ein stabiler und systemisch relevanter Baustein.

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