Portrait Hubert Aiwanger

Wärmewende braucht Vielfalt: Holzenergie als Sicherheitsfaktor

Holz erlebt gerade eine seltsame Behandlung: Viele Debatten feiern den Wald als Speicher, gleichzeitig bremsen sie die Nutzung aus. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger dreht diese Logik im Interview mit der Bayerischen Staatszeitung um – und er setzt dabei auf klare Zahlen und klare Kante.

Sein Ausgangspunkt: Bayerns Wälder tragen riesige Vorräte. Über eine Milliarde Kubikmeter Holz stehen im Wald, jede Sekunde wächst laut Aiwanger etwa ein Kubikmeter nach. Hohe Vorräte klingen beruhigend, sie erhöhen laut ihm jedoch die Verwundbarkeit durch Sturm, Dürre und Schädlinge.

Ein Ster Brennholz ersetzt 120 Liter Heizöl

Klimapolitisch setzt Aiwanger auf Substitution. Er rechnet vor: Ein Ster Brennholz ersetzt 120 Liter Heizöl oder 150 Kubikmeter Frackinggas. Für das Jahr 2024 nennt er bundesweit „über 32 Millionen Tonnen CO₂“ als vermiedene Emissionen durch Holzenergie. Seine Stoßrichtung ist eindeutig: Wer Holzenergie pauschal angreift, stärkt am Ende Öl und Gas.

Beim Thema Heizen mit Holz stellt sich der stellvertretende Ministerpräsident klar auf die Seite der Technologieoffenheit. Aiwanger trennt moderne Pellet- und Hackschnitzelanlagen klar von alten Öfen. Moderne Systeme erreichen laut ihm hohe Wirkungsgrade und sehr niedrige Emissionswerte, geregelt durch Immissionsvorschriften. Für Altgeräte setzt er auf Austausch und Nachrüstung.

Versorgungssicherheit durch Holzöfen

Dann kommt der Versorgungssicherheits-Frame – und er trifft einen Nerv. Aiwanger verbindet Holzenergie mit Krisenfestigkeit, gerade in Phasen mit Gas-Risiken. Er sagt außerdem: In Bayern besitzt aktuell jeder dritte Haushalt einen Holzofen. Das ist politisch relevant, weil eine Regulierung von Einzelraumfeuerstätten hier sofort den Alltag vieler Menschen berührt.

Aiwanger liefert dazu harte Wirtschaftskennzahlen. Bayerns Forst- und Holzbranche erwirtschaftet laut ihm rund 45 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Rund 155.000 Personen arbeiten im Sektor, davon etwa 5.500 direkt in der Forstwirtschaft und rund 149.500 in nachgelagerten Bereichen wie Sägewerken, Holzbau, Möbel sowie Papier- und Zellstoffindustrie. Diese Dimension zeigt: Holzpolitik ist Wirtschafts- und Strukturpolitik.

Kein Entweder-Oder bei der Wärmewende

Bei der Wärmewende setzt er auf Technologie-Mix statt Entweder-oder. Wärmepumpen sieht er vor allem im Neubau und bei gut sanierten Gebäuden. Holzenergie sieht er häufig als bessere Lösung in ländlichen Regionen und in Nahwärmenetzen. Dazu bringt er ein Netzargument: Holz entlastet Strombedarf, wenn Wind und Sonne schwach liefern.

Politisch zielt er auf das Gebäudeenergiegesetz, auch Heizungsgesetz genannt. Er verweist auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD in der laufenden Legislaturperiode und fordert eine grundlegende Überarbeitung. Im Fokus stehen für ihn echte Technologieoffenheit, weniger strenge Anforderungen an Biomasseheizungen und eine Gleichbehandlung in der Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Hier finden Sie das Interview mit der Bayerischen Staatszeitung

Portrait Hubert Aiwanger
Der bayrische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger setzt sich klar für den Holzofen ein und nenntgibt ihm das Label: Krisensicher Fotovermerk: StMWi/R.Dier
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