Frau die Scheitholz aus einem Holzschober nimmt.

„Scheitholz ist nicht das Problem – aber der Papierkram wird es“

Dr. Johannes R. Gerstner über die neue EU-Entwaldungsverordnung und ihre Bedeutung für das Ofenbauerhandwerk

Ofenzukunft: Herr Dr. Gerstner, die neue EU-Entwaldungsverordnung – die sogenannte EUDR – sorgt für Verunsicherung. Worum geht es dabei überhaupt?

Gerstner: Die EUDR ist eine neue EU-Verordnung, die ab Ende 2025 dafür sorgen soll, dass in der EU keine Produkte mehr verkauft werden, die mit Entwaldung oder Waldschädigung in Verbindung stehen. Gemeint ist damit vor allem die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen – etwa in tropischen Regionen. Holz, das aus solchen Flächen stammt, darf künftig nicht mehr gehandelt werden.

Ofenzukunft: Betrifft das denn auch das Kaminholz aus Deutschland?

Gerstner: Im Prinzip ja – die Verordnung gilt für alle Holzprodukte, also auch für Scheitholz, Pellets und Briketts. Praktisch muss man aber sagen: Scheitholz aus deutschen Wäldern stammt in aller Regel nicht von entwaldeten Flächen, sondern aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder Sturmholz. Die Fläche bleibt Wald, das ist entscheidend. Insofern besteht keine Gefahr, dass Kaminholz verboten wird. Aber: Der Nachweis darüber wird Pflicht – auch für kleine Waldbauern.

Ofenzukunft: Was heißt das konkret für das Ofenbauerhandwerk?

Gerstner: Die Ofenbauer selbst sind meist nicht direkt betroffen – sie sind keine Importeure. Aber sie arbeiten mit Holzprodukten oder empfehlen sie. Und da wird sich etwas ändern: Händler, Kundinnen und Kunden werden künftig genauer wissen wollen, woher das Holz kommt. Wer regionales Scheitholz verarbeitet, hat einen Vorteil – aber auch mehr Papierkram für Erzeuger und Holzhändler.

Ofenzukunft: Drohen dadurch Preissteigerungen?

Gerstner: Möglich. Die Dokumentationspflichten – etwa Geodaten, Flächenangaben, Liefernachweise – stellen viele kleinere Forstbetriebe vor eine echte Herausforderung. Das bedeutet mehr Aufwand, und der wird sich vermutlich auf die Preise auswirken. Besonders bei importierten Pellets oder bei Holz aus nicht zertifizierten Quellen könnten wir das bald spüren.

Ofenzukunft: Was empfehlen Sie den Betrieben jetzt?

Gerstner: Frühzeitig mit den Holzlieferanten sprechen und sich erklären lassen, woher das Material kommt und ob es EUDR-konform ist. Zertifikate wie PEFC oder FSC helfen da weiter. Und ganz ehrlich: Wer regionales Holz verarbeitet, hat einen Vorsprung – wenn er jetzt schon anfängt, das auch nachzuweisen. Denn am Ende geht es um Vertrauen – und um ein gutes Gefühl beim Heizen mit Holz.

Zur Person: Dr. rer. pol. Johannes R. Gerstner, MBA

Dr. Johannes R. Gerstner ist gelernter Journalist und ausgewiesener Public-Affairs-Experte mit Fokus auf Energie-, Heizungs- und Abgaspolitik. Er berät zahlreiche Verbände und Organisationen aus dem Heizungs‑ und Abgassektor, darunter die Europäische Feuerstätten‑Arbeitsgemeinschaft (EFA), die Initiative #ofenzukunft des Gesamtverbands Ofenbau (GVOB), den Fachverband Schornsteintechnik sowie den Verband Kunststoffabgasanlagen (VKA).

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4 Monate ago

Hallo Herr Dr. Gerstner!

Danke für diesen tollen Beitrag. Die EU-Entwaldungsverordnung ist wieder mal eine neue Verordnung, die meiner Meinung nach völlig überflüssig ist und nochmals zu mehr bürokratischen Aufwand für die Betriebe führt.

Wie war denn das mit dem versprochenen Bürokratieabbau? Das Gegenteil scheint hier der Fall zu sein. Fragt sich eigentlich niemand, warum so wenig Neugründungen in Deutschland stattfinden? Lohnt es sich denn überhaupt noch, ein Unternehmen neu zu gründen? Schon jetzt ächzt die Wirtschaft unter hohen Lohnkosten, zu hohen Energiekosten, ausufernder Bürokratie und vieles mehr, was unsere Wirtschaft lähmt. Eine stillschweigende Abwanderung großer Betriebe ins Ausland hat bereits begonnen.
Viele mittelständische Betriebe machen dicht, weil Geschäfte in Deutschland vom Aufwand her einfach nicht mehr lohnen. Da ist es lukrativer ein Unternehmen außerhalb Deutschlands, aber im Bereich der EU anzusiedeln und die Geschäfte in Deutschland abzuwickeln. So nutzt man die Vorteile der EU und bleibt man von vielen bürokratischen Auflagen verschont.
Bleibt zu hoffen, dass der versprochene Bürokratieabbau bald einsetzt.

Günther Droste von
FEUERGLASKLAR 

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