Umweltbundesamt erhöht den Druck auf das Heizen mit Holz

Im Online-CO2-Rechner des Umweltbundesamts wird die energetische Nutzung von Holz nicht länger als klimaneutral bewertet. Stattdessen weist der Rechner jetzt 1,72 Tonnen CO2 je Tonne Buchenstückholz aus.  Robert Mülleneisen, Sprecher der Initiative #ofenzukunft, ist empört: „Das Umweltbundesamt erhöht ein weiteres Mal den Druck auf das Heizen mit Holz. Und stützt sich dabei erneut auf Vermutungen und falsche Annahmen ab.“

Dr. Michael Bilharz, beim Umweltbundesamt für die „Big Points bei Umwelt und Klimaschutz“ zuständig, erklärt gegenüber der Tageszeitung Stuttgartner Nachrichten (SN), warum das UBA Korrekturbedarf am eigenen CO2-Rechner sah: „Es gab dringenden Handlungsbedarf, da vermutlich nicht wenige Besitzer älterer Häuser die Maßnahme Holzheizung statt Wärmedämmung vor dem Hintergrund der Emissionswerte im UBA-CO2-Rechner als Klimaschutz missverstanden haben.“ Bilharz ergänzte gegenüber den SN, dass die Zahl der Biomasse-Heizungen in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen sei. Deshalb gehe es „aus Umwelt- und Klimasicht zuerst einmal darum, den weiteren Ausbau zu stoppen.“

Behauptungen ohne Beweise

Für Robert Mülleneisen, Sprecher der nationalen Initiative #ofenzukunft, ist die jüngste Überarbeitung des CO2-Rechners nur ein weiterer Schritt des Umweltbundesamtes, das Heizen mit Holz zu verunglimpfen. Erneut würden Entscheidungen auf falsche Schlüsse abgestützt, wie jener, dass in Deutschland mehr Holz energetisch genutzt werde als nachwachse. Das Gegenteil sei längst bewiesen, verwies er auf die Forschungsergebnisse von Prof. Irslinger. Auch behaupte das UBA, dass die Zahl der Biomasseheizungen in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen sei, was er so nicht nachvollziehen könne. Mülleneisen: „Behauptungen ohne Beweise stehen dem UBA nicht gut zu Gesicht.“ Wie sehr das aktuelle Streben politisch motiviert sei, erkenne man auch daran, dass mit der Aufnahme von Brennholz in die THG-Bilanzierung zum einen das Dämmen der Häuser befördert werden solle, zum anderen Garten- und Altholz weiter als klimaneutral betrachtet würden. Mülleneisen fragt: „Sollen die Menschen in den Privathäusern frieren, damit künftig mehr Holz für teure kommunale Nahwärmekraftwerke übrigbleibt?“ Mülleneisen geht zudem davon aus, dass das UBA eine CO2-Belastung berechnen ließ, um eine Grundlage für die angepeilte CO2-Bepreisung von Holz zu haben.

Nachbarn kommen zu anderen Werten

Wenig Verständnis hat die Fachwelt auch dafür, dass sich die Ergebnisse der benachbarten Umweltbundesämter stark unterscheiden. So weist der THG-Rechner des Österreichischen Umweltbundesamtes – zu finden unter https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/umweltmanagement/thg-emissionsrechner – für eine Tonne Holz nur 90 kg Gesamtmenge CO2-Äquivalent inklusive Vorkette aus. „1,72 to gegenüber 90 kg wirft die Frage auf, ob der deutsche Wert eher politisch motiviert als wissenschaftlich begründet ist,“ sagt Robert Mülleneisen.

Ohne Holz keine zeitnahe Wärmewende

Das UBA verrenne sich in der Abfolge seiner PR-Maßnahmen gegen das Heizen mit Holz, so Mülleneisen: „Wer eine gleichzeitige Abkehr von fossilen und biogenen Brennstoffen will, muss zuvor Alternativen bieten.“ Und gerade daran fehle es. Das verstärke nur die wachsende Politikverdrossenheit der Hausbesitzer in Bezug auf die nötige Wärmewende. Auch sei die einäugige Betrachtung aus Umwelt- und Klimasicht wenig hilfreich. „Ohne den heimischen und nachwachsenden Brennstoff Holz wird eine zeitnahe Wärmewende in Deutschland nicht gelingen“, fordert Mülleneisen eine Kurskorrektur in der aktuellen PR-Strategie des Umweltbundesamtes.

Hilfreich für den Endverbraucher oder vor allem politisches Instrument? – Der CO2-Rechner im Internetportal des Umweltbundesamts, in dem jetzt erstmalig CO2-Werte für Pellets und Stückholz aufgenommen wurden.
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