Manchmal beginnt politische Zusammenarbeit mit einer kleinen Beschwerde. Vor rund einem Jahr hatte Roland Weiniger, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD Mittelfranken, bei Dr. Johannes R. Gerstner angemerkt, dass die SPD in der politischen Arbeit der Initiative #ofenzukunft bislang eher selten vorkomme. Gerstner musste das damals durchaus einräumen – versprach aber, bei nächster Gelegenheit für Besserung zu sorgen. Dass diese „Besserung“ nun ausgerechnet in einem Treffen mit einem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesumweltministerium mündete, also mit dem politischen Stellvertreter des Ministers selbst, zeigt, dass das Anliegen inzwischen recht gründlich aufgegriffen wurde.
Am 12. März 2026 trafen sich daher Vertreter der Ofen- und Abgasbranche bei der Jeremias Abgastechnik GmbH im mittelfränkischen Wassertrüdingen zu einem ausführlichen Austausch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Carsten Träger (SPD). Über zweieinhalb Stunden diskutierten Vertreter aus Handwerk, Industrie, Fachpresse und Politik über die Zukunft der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Kamin- und Kachelöfen. Carsten Träger gehört als Parlamentarischer Staatssekretär zur Leitungsebene des Ministeriums und vertritt den Minister sowohl im parlamentarischen Raum als auch im politischen Dialog mit Verbänden, Wirtschaft und Gesellschaft. Staatssekretäre sind damit eine zentrale Schnittstelle zwischen Ministerium, Bundesregierung und Bundestag und häufig diejenigen, die Themen aus der Praxis in politische Entscheidungsprozesse hineintragen. Für die Branche bot sich damit eine seltene Gelegenheit, ihre Perspektive direkt auf dieser politischen Ebene einzubringen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV), die in Deutschland die zentrale umweltrechtliche Grundlage für Betrieb und Einbau von Einzelraumfeuerstätten wie Kamin- und Kachelöfen bildet. Aus Sicht vieler Branchenvertreter besteht hier seit längerem Reformbedarf. Die Verordnung sei seit mehr als einem Jahrzehnt nicht grundlegend modernisiert worden, während einzelne Anpassungen in der Praxis teilweise eher zu zusätzlicher Verunsicherung geführt hätten – sowohl bei Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch bei Handwerksbetrieben. Ein besonders anschauliches Beispiel für diese Problematik ist § 19 der Verordnung. Diese Vorschrift regelt unter anderem Anforderungen an die Höhe von Schornsteinen und führt in vielen Fällen dazu, dass Abgasanlagen mindestens 40 Zentimeter über den Dachfirst hinausragen müssen. In der Praxis entstehen dadurch teilweise technisch oder architektonisch problematische Konstruktionen. Branchenvertreter berichteten, dass solche Vorgaben in bestimmten Gebäudesituationen den Einbau moderner Feuerstätten erheblich erschweren oder sogar verhindern können. Die Folge ist, dass Bauvorhaben aufgegeben werden, Handwerksbetriebe Aufträge verlieren und Haushalte auf eine Technologie verzichten, die als robuste und im Krisenfall resiliente Wärmequelle gilt.
Dr. Johannes R. Gerstner, Berater der Initiative #ofenzukunft, erläuterte im Gespräch den rechtlichen Hintergrund dieser Kritik. Umweltrechtliche Regelungen wie die 1. BImSchV leiten sich aus der staatlichen Pflicht ab, Bürgerinnen und Bürger vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu schützen. Wenn moderne Feuerstätten jedoch durch technische Weiterentwicklungen bereits sehr geringe Emissionen verursachen oder durch zusätzliche Maßnahmen – etwa elektrostatische Staubabscheider – weiter optimiert werden können, müsse geprüft werden, ob pauschale bauliche Vorgaben weiterhin das geeignete Instrument seien. Carsten Träger nahm diese Argumentation aufmerksam auf und zeigte sich offen für den weiteren Dialog. „Mein Ziel ist es nicht, der Industrie oder dem Handwerk das Leben zu erschweren. Mein Ziel ist es, die Umwelt zu schützen. Wenn wir hier gemeinsame Wege finden, dann sollten wir diese auch gehen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verlauf des Gesprächs.
Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung der Verordnung spielte auch der praktische Vollzug der bestehenden Regeln eine wichtige Rolle. Vertreter aus Handwerk und Industrie berichteten, dass unterschiedliche Auslegungen der Vorschriften durch Länder, Kommunen oder einzelne Behörden in der Praxis häufig zu Unsicherheit führen. Ein bundeseinheitlicher Vollzug könnte aus ihrer Sicht dazu beitragen, die Anwendung der Regeln transparenter und verlässlicher zu gestalten. An dem Gespräch nahmen neben Staatssekretär Carsten Träger auch Stefan Ultsch (SPD), Erster Bürgermeister der Stadt Wassertrüdingen, sowie Roland Weiniger teil. Die Branche war unter anderem durch den Ofenbaumeister Daniel Dollinger vertreten, der sowohl die Bundesfachgruppe Ofen- und Luftheizungsbau als auch den Fachverband Sanitär, Heizung und Klima Bayern repräsentierte. Ebenfalls beteiligt waren Bernd Weishaar, Vorsitzender der Clean Exhaust Association, sowie Jens Fischer, Chefredakteur des Fachmagazins K&L.
Mitgastgeber des Treffens war der Inhaber der Jeremias Abgastechnik GmbH, Stefan Engelhardt. Für das Unternehmen nahm außerdem Thomas Fischer teil, der bei Jeremias für Normung und Verbandsarbeit zuständig ist. Im Anschluss an die Diskussion erhielt Staatssekretär Träger bei einer kurzen Werksführung Einblicke in die Produktion moderner Abgassysteme. Diese spielen eine zentrale Rolle für den sicheren und emissionsarmen Betrieb von Feuerstätten und zeigen zugleich die technologische Leistungsfähigkeit mittelständischer Industrieunternehmen. Aus Sicht der Initiative #ofenzukunft war das Treffen ein wichtiger Schritt für einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Branche. Der Austausch in Wassertrüdingen hat dafür eine Grundlage geschaffen und zeigt, dass politische Gespräche manchmal tatsächlich mit einer kleinen Beschwerde beginnen können.
Redaktionelle Anmerkung:
Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass Herr Staatssekretär Carsten Träger am Samstag, den 21. März, plötzlich verstorben ist. Er hinterlässt zwei Töchter und eine Ehefrau. Wir bedauern diesen Verlust für die Umweltpolitik und den Umweltschutz in Deutschland sehr und sind in Gedanken bei seiner Familie sowie allen Wegbegleitern und Kolleginnen und Kollegen.