Ein Porträt von Dr. Johannes Gerstner

„Öfen sind tragender Pfeiler einer guten Resilienzstrategie“

Kaum jemand hat sich bislang so intensiv mit der Rolle des Heizens mit Holz für die Krisenfestigkeit privater Haushalte und den laufenden Umbau der deutschen Energieversorgung befasst wie Dr. Johannes Gerstner. Der Experte kommt in seiner Studie „Im Ernstfall zählt Wärme – Warum Millionen Holzöfen für Deutschland unverzichtbar sind“ zu folgendem Fazit:

„Einzelraumfeuerstätten sind weit mehr als eine Komfortheizung – sie sind ein strategisch wertvoller Bestandteil einer widerstandsfähigen Wärmeversorgung. Sie verbinden technologische Robustheit mit millionenfacher Verfügbarkeit, lokaler Brennstoffversorgung und der Fähigkeit, unabhängig von zentralen Netzinfrastrukturen zu arbeiten. Im Krisenfall liefern sie Wärme, wenn strom- oder gasbetriebene Systeme ausfallen. Damit erfüllen sie eine doppelte Funktion: Sie stärken die Resilienz privater Haushalte und können – bei gezielter technischer Integration – auch zur Versorgungssicherheit im engeren Sinne beitragen, indem sie Spitzenlasten abfedern und zentrale Heizsysteme entlasten.

Trotz dieses Potenzials werden Einzelraumfeuerstätten bislang in Energie-, Klima- und Katastrophenschutzstrategien nur am Rande berücksichtigt. Der regulatorische Fokus liegt stark auf der Emissionsminderung – was ohne differenzierte Betrachtung zu Zielkonflikten mit der Notfallvorsorge führen kann. Eine strategische Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen ist daher erforderlich:.  Dazu gehören pragmatische Ausnahmeregelungen für den Krisenbetrieb, die gezielte Förderung emissionsarmer Geräte sowie die Einbindung moderner Holzöfen in hybride Heiz- und Lastmanagementsysteme.

Für die Zukunft gilt es, die bestehenden Bestände systematisch zu erfassen, ihre technische Einsatzfähigkeit zu sichern und ihre Nutzung in Krisenplänen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene vorzusehen. Kommunen könnten Ofendichten kartieren, Holzreserven anlegen und Haushalte zur Notfallnutzung schulen. Auf Bundesebene sollte die Rolle dezentraler Wärmequellen in der Resilienzplanung fest verankert werden – nicht nur als Ergänzung, sondern als unverzichtbarer Bestandteil einer sicheren, nachhaltigen und krisenfesten Energieversorgung.

Angesichts wachsender Stromabhängigkeit, möglicher Gasmangellagen und zunehmender Extremwetterereignisse bietet sich hier eine seltene Chance: Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, erprobt und einsatzbereit. Wenn wir dieses Potenzial erkennen und gezielt nutzen, können Öfen zu einem tragenden Pfeiler der nationalen Vorsorge- und Resilienzstrategie werden – heute und in den kommenden Jahrzehnten.“

Ein Porträt von Dr. Johannes Gerstner
Hat sich vermutlich als erster Wissenschaftler in Deutschland die Bedeutung von 11,7 Mio. Holzöfen im Krisenfall und in Zeiten der Energiewende ausführlich untersucht: Dr. Johannes R. Gerstner von der #ofenzukunft. Foto: ofenzukunft.de
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