Die neue AFCEA-Studie zur gesamtstaatlichen Resilienz beschreibt Deutschlands Defizite bei Vorsorge, Durchhaltefähigkeit und Wiederanlauf. Ein Vergleich mit „Im Ernstfall zählt Wärme“ von der #ofenzukunft zeigt, wie genau der Kamin- und Kachelofen in diese Sicherheitslogik passt.
Mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland leben in einem Haushalt mit Kamin- oder Kachelofen. Diese Zahl ist für die energiepolitische Debatte aus einem einfachen Grund bemerkenswert: Hinter ihr steht eine bereits vorhandene, dezentral verteilte Möglichkeit zur Wärmeversorgung, die bei Störungen zentraler Systeme relevant werden kann. Genau dieser Blick auf vorhandene Fähigkeiten verbindet die Studie „Im Ernstfall zählt Wärme“ von der #ofenzukunft mit einer neuen Untersuchung aus einem ganz anderen Umfeld: „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ von AFCEA Bonn.
Die beiden Studien haben unterschiedliche Gegenstände und unterschiedliche Absender. AFCEA untersucht die Handlungsfähigkeit Deutschlands in komplexen Sicherheits- und Krisenlagen. Die #ofenzukunft richtet den Blick auf die Wärmeversorgung privater Haushalte und die Rolle von Einzelraumfeuerstätten. Legt man beide Arbeiten nebeneinander, entsteht dennoch ein auffallend stimmiges Bild: AFCEA beschreibt die Anforderungen an ein belastbares Sicherheitsökosystem; „Im Ernstfall zählt Wärme“ zeigt für einen elementaren Teil der Daseinsvorsorge, welche Rückfallebene dafür schon heute vorhanden ist.
Eine Studie aus dem Zentrum der Sicherheitsdebatte
Die AFCEA-Studie wurde zum Bonner IT-Dialog 2026 veröffentlicht. AFCEA Bonn versteht sich als Austauschplattform für Bundeswehr, Sicherheitsbehörden, Verwaltung, Wissenschaft und Industrie. Entsprechend breit war auch der Kreis der Beteiligten und Diskutanten: Generalmajor Armin Fleischmann als Vorsitzender von AFCEA Bonn, Staatssekretär Paul Höller aus Nordrhein-Westfalen, Vertreter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, der Bundeswehr, von BWI, Deutsche Telekom, Google Cloud, Arvato Systems, BASF und weiteren Akteuren aus Kritischen Infrastrukturen, Technologie und Wissenschaft. Die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur steuerte das Grußwort der Studie bei.
Auch die empirische Grundlage ist breit angelegt. Die 118-seitige Untersuchung stützt sich auf 55 Tiefeninterviews mit 61 Gesprächspartnern aus Behörden, Kommunen, Streitkräften, Wirtschaft und Wissenschaft, auf eine Online-Befragung von 72 Anbietern und Anwendern sowie auf einen internationalen Systemreifegrad-Vergleich über zehn Dimensionen und sechs Länder. Das Ergebnis fällt für Deutschland ausgesprochen kritisch aus: 14 von 30 Punkten und damit der niedrigste Wert im untersuchten Ländervergleich. Besonders schwach bewertet werden Steuerung und Durchhaltefähigkeit.
Der zentrale Befund lautet dabei nicht, Deutschland habe grundsätzlich zu wenig Technik oder zu wenige Fähigkeiten. Nach Auffassung der Autoren fehlt vor allem die Verbindung zwischen vorhandenen Mitteln, Zuständigkeiten und Akteuren. Die Studie spricht von einer „Verkettungslücke“: Informationen werden erhoben und Einsatzmittel sind vorhanden, doch zwischen Lageerkennung, Bewertung, Entscheidung, Koordination und tatsächlicher Wirkung entstehen Brüche. Resilienz ist in dieser Perspektive deshalb nicht nur eine Frage neuer Technik, sondern ebenso eine Frage der sinnvollen Nutzung dessen, was bereits verfügbar ist.
Die Wärme-Lücke im Sicherheitsökosystem
Für die Ofenbranche wird die Studie an einer Stelle besonders interessant. Zu ihrem Zielbild gehören ausdrücklich Durchhaltefähigkeit, Wiederanlauf, Bevölkerungsvorsorge sowie „Energie, Versorgung & Logistik“. Die Bevölkerung wird nicht nur als zu schützende Gruppe verstanden, sondern als Teil der eigenen Vorsorge und als lokale Reserve. Zugleich benennt die Untersuchung Defizite bei analogen Rückfallebenen. In hochgradig vernetzten Systemen, so die dahinterstehende Logik, müssen grundlegende Funktionen auch dann weiter möglich sein, wenn digitale Kommunikation, Stromversorgung oder zentrale Steuerung zeitweise ausfallen.
Auffällig ist allerdings, was die AFCEA-Studie trotz dieses breiten Ansatzes nicht vertieft: die Wärmeversorgung privater Haushalte. Biomasse, Kamin, Kachelofen oder Einzelraumfeuerstätte spielen in der Untersuchung praktisch keine Rolle. Das ist angesichts des Gegenstands der Studie nachvollziehbar, markiert aber eine konkrete Leerstelle. Wenn Durchhaltefähigkeit, Eigenvorsorge und analoge Rückfallebenen zu den Voraussetzungen gesamtstaatlicher Resilienz gehören, muss auch beantwortet werden, wie Menschen während eines länger dauernden Ausfalls ihre Wohnungen zumindest teilweise warm halten können.
Genau an dieser Stelle setzt „Im Ernstfall zählt Wärme“ von der #ofenzukunft an. Mehr als 25 Millionen Menschen leben in Deutschland bereits in Haushalten mit Kamin- oder Kachelofen. Viele klassische Scheitholzöfen können auch bei einem Stromausfall Wärme erzeugen und damit zumindest einen beheizten Aufenthaltsraum sichern. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass eine Einzelraumfeuerstätte eine komplette Energieinfrastruktur ersetzt. Ihr Wert liegt in der zusätzlichen Ebene: Während ein zentral abhängiges Heizsystem ausfallen kann, bleibt in einem Teil der Haushalte eine weitere Möglichkeit zur Wärmeerzeugung verfügbar.
Damit bekommt die Zahl von mehr als 25 Millionen Menschen eine sicherheitspolitische Dimension. Es geht nicht um eine Reserve, die erst geplant, finanziert und errichtet werden müsste. Es geht um eine bestehende Infrastruktur in privaten Haushalten, deren mögliche Funktion in Krisen bislang nur am Rand der übergeordneten Resilienzdebatte vorkommt. Die #ofenzukunft-Studie betrachtet genau diesen Bestand und fragt, welchen Beitrag er bei Stromausfällen, Gasmangellagen oder anderen Störungen zentraler Versorgung leisten kann.
Ein Praxisbeispiel der AFCEA-Studie unterstreicht, warum dieser Ansatz relevant ist. Beim Stromausfall in Ludwigshafen 2023 brachen Teile der Telekommunikation zusammen; vorbereitete analoge Verfahren halfen, die Kommunikation aufrechtzuerhalten. Noch interessanter ist der beschriebene Wiederanlauf: Mit der Rückkehr des Stroms kehren technische Systeme nicht automatisch in den Normalbetrieb zurück. Server, Gebäudetechnik und auch Heizungen müssen teilweise manuell wieder in Betrieb genommen werden. Für größere Gebäudebestände kann dieser Prozess erhebliche Zeit beanspruchen. Die Frage nach einer unabhängigen Wärmeoption stellt sich damit nicht nur während des eigentlichen Ausfalls, sondern auch in der Phase danach.
Zwei Studien, die sich ungewöhnlich gut ergänzen
Die AFCEA-Studie denkt Resilienz aus der Perspektive des Gesamtsystems. Sie fragt, wie Staat, Streitkräfte, Behörden, Kritische Infrastrukturen, Wirtschaft und Bevölkerung so zusammenspielen können, dass Deutschland auch unter anhaltender Belastung handlungsfähig bleibt. „Im Ernstfall zählt Wärme“ nimmt einen einzelnen, dafür sehr lebensnahen Teil dieses Systems in den Blick. Die eine Studie beschreibt die Architektur der Resilienz, die andere zeigt am Beispiel des Ofens, wie eine vorhandene dezentrale Fähigkeit auf Haushaltsebene aussehen kann.
Gerade der Begriff der Rückfallebene verbindet beide Untersuchungen. AFCEA zeigt, dass vernetzte Systeme robuste Alternativen benötigen, wenn Kommunikations- oder Versorgungsstrukturen ausfallen. Die #ofenzukunft zeigt, dass bei der Wärme eine solche Alternative in Millionen Haushalten bereits vorhanden ist. Mehr als 25 Millionen Menschen verfügen über einen Kamin- oder Kachelofen im Haushalt. Nicht jede Feuerstätte ist gleich, nicht jede Anlage kann jede Aufgabe übernehmen und nicht jeder Haushalt verfügt jederzeit über Brennstoff. Der Bestand ist dennoch in einer Größenordnung vorhanden, die bei einer ernsthaften Resilienzstrategie nicht ausgeblendet werden sollte.
Daraus ergibt sich auch eine regulatorische Frage. Einzelraumfeuerstätten werden zu Recht an technischen, immissionsschutzrechtlichen und sicherheitsbezogenen Anforderungen gemessen. Gleichzeitig gewinnt ihre mögliche Funktion als dezentrale Rückfallebene an Bedeutung. Beides sollte in der politischen Bewertung zusammengeführt werden. Die Forderung kann deshalb nicht lauten, Umwelt- oder Emissionsanforderungen zugunsten der Krisenvorsorge beiseitezuschieben. Sie lautet vielmehr, den Sicherheits- und Vorsorgewert einer vorhandenen Wärmequelle als zusätzlichen Bewertungsfaktor überhaupt sichtbar zu machen.
Die neue AFCEA-Studie gibt dieser Debatte einen übergeordneten Rahmen. Sie zeigt, dass Deutschland nicht allein neue Fähigkeiten entwickeln muss, sondern vorhandene Fähigkeiten besser erkennen, verbinden und für Krisen nutzbar machen sollte. Für die Wärmeversorgung ist die Ausgangslage ungewöhnlich konkret: Mehr als 25 Millionen Menschen leben bereits mit einer zusätzlichen Wärmequelle im Haushalt. Wer über Durchhaltefähigkeit, Eigenvorsorge und analoge Rückfallebenen spricht, sollte deshalb auch den Kamin- und Kachelofen mitdenken.
Die beiden Studien
AFCEA Bonn e.V.: „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030 – Sicherheit entsteht nicht in Silos“: Studie und Download bei AFCEA Bonn
Initiative #ofenzukunft: „Im Ernstfall zählt Wärme“: Studie bei #ofenzukunft
Fotovermerk: Bild wurde mit KI-Inhalten anpepasst.