Ein brennender Kaminofen spendet Wärme in einem Wohnraum. Auf dem Tisch liegen eine Notfalllaterne, eine Taschenlampe, ein Erste-Hilfe-Set, ein Radio und eine Decke. Durch das Fenster ist ein von Hochwasser zerstörter Ort zu sehen. Das Bild symbolisiert die Rolle von Feuerstätten bei der Wärmeversorgung in Krisenzeiten.

Wenn die Heizung ausfällt: Welche Rolle kann der Ofen spielen?

Zwei neue Berichte des ifh Göttingen untersuchen, wie das Handwerk unsere Versorgung krisenfester machen kann. Für die Ofenbranche werfen sie eine bislang offene Frage auf: Welchen Beitrag können Feuerstätten, Ofenbauer und Schornsteinfeger leisten, wenn die gewohnte Wärmeversorgung ausfällt?

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 verwüstete eine Flut das Ahrtal. Menschen starben, andere verloren ihr Zuhause oder ihre wirtschaftliche Existenz. Häuser, Straßen und Brücken wurden zerstört, Strom-, Wasser- und Gasleitungen schwer beschädigt. Neben der unmittelbaren Hilfe für die Betroffenen stellte sich bald eine weitere drängende Aufgabe: Bevor der Winter kam, mussten Wohnungen wieder beheizbar werden. Heizungsbauer organisierten Notheizungen und Provisorien, Kollegen aus anderen Regionen unterstützten die Arbeiten. Fehlende Heizkessel und Ersatzteile erschwerten den Einsatz. Viele Betriebe halfen, obwohl ihre eigenen Werkstätten, Lager und Wohnhäuser ebenfalls von der Flut getroffen worden waren.

Wie diese Hilfe funktionierte, beschreibt das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen, kurz ifh Göttingen, in seinem Forschungsbericht „Handwerk als Resilienzakteur in der Flutkatastrophe im Ahrtal“. Eine zweite Veröffentlichung, „Handwerk im Bevölkerungsschutz und Resilienz in Krisenzeiten“, betrachtet die grundsätzliche Frage, wie unsere Versorgung widerstandsfähiger werden kann. Beide Berichte rücken das Handwerk in eine Debatte, die angesichts von Extremwetter, möglichen Versorgungsausfällen und Bedrohungen kritischer Infrastruktur an Bedeutung gewinnt. Der Begriff dafür lautet Resilienz. Für die Wärmeversorgung heißt das praktisch: Störungen möglichst gut überstehen und ausgefallene Anlagen schnell wieder zum Laufen bringen. Dafür braucht es geeignete Technik, Material und Menschen, die vor Ort wissen, was zu tun ist.

Für die Ofenbranche liegt eine Frage nahe: Kann eine Feuerstätte helfen, wenn die übliche Heizung ausfällt? Die beiden Berichte beantworten sie nicht. Weder Einzelraumfeuerstätten noch Ofenbau und Schornsteinfeger werden als eigene Schwerpunkte systematisch untersucht. Der konkrete Wärmebefund aus dem Ahrtal betrifft vor allem das SHK-Handwerk und die Wiederherstellung der Gasversorgung. Das schmälert den Wert der Untersuchungen nicht, lässt aber einen für die Branche wichtigen Bereich offen. Welche Rolle der Ofen in einer vorbereiteten Wärmeversorgung übernehmen könnte, müsste gesondert erforscht werden.

Schon die Frage, ob ein Ofen bei Stromausfall Wärme liefert, verlangt einen genaueren Blick. Welche Anlage steht im Haus, welche ihrer Funktionen benötigen elektrische Energie, und ist sie überhaupt betriebsbereit? Ebenso wichtig sind Brennstoffvorräte und die sichere Nutzbarkeit der gesamten Anlage. Eine Untersuchung müsste diese Voraussetzungen für unterschiedliche Feuerstätten prüfen und mit einem klaren Versorgungsziel verbinden. Soll ein Raum für einige Stunden warm bleiben oder ein Haushalt mehrere Tage überbrücken können? Erst dann ließe sich belastbar sagen, welche Wärme unter welchen Ausfallbedingungen tatsächlich zur Verfügung steht. Eine solche Betrachtung könnte die Stärken verschiedener Lösungen ebenso sichtbar machen wie ihre Grenzen.

Dabei reicht es nicht, allein auf das Gerät zu schauen. Brennstoff muss beschafft und gelagert werden können, Ersatzteile müssen verfügbar und Fachbetriebe erreichbar sein. Auch Anschaffungs- und Betriebskosten, Sicherheit und Emissionen gehören in den Vergleich mit anderen Möglichkeiten der Wärmevorsorge. Eine erste Überlegung für die Branche wäre deshalb, eine zusätzliche Feuerstätte als Teil eines Versorgungskonzepts zu betrachten: Was soll sie leisten, welche Voraussetzungen braucht sie, und wer hält sie dauerhaft einsatzfähig? So würde aus dem allgemeinen Wunsch nach mehr Unabhängigkeit eine konkrete, überprüfbare Vorsorgeentscheidung.

Eine zweite Überlegung betrifft das Fachwissen von Ofenbauern und Schornsteinfegern. Welche ihrer Kenntnisse über Feuerstätten, Abgasanlagen und Gebäude könnten für die örtliche Krisenvorsorge hilfreich sein? Wie ließe sich feststellen, welche vorhandenen Anlagen bei einem bestimmten Versorgungsausfall nutzbar wären? Daraus könnten Beratungsangebote für Eigentümer entstehen, aber auch Hinweise für Kommunen, die ihre Wärmevorsorge verbessern wollen. Nach einem Schadensereignis stellten sich wiederum andere Fragen: Welche Anlagen müssen überprüft werden, welche Reparaturen sind erforderlich, und unter welchen Voraussetzungen ist eine Wiederinbetriebnahme möglich? Dabei wäre sorgfältig zwischen bestehenden Aufgaben und möglichen zusätzlichen Funktionen der Gewerke zu unterscheiden.

Dass auch die langfristige Betreuung berücksichtigt werden muss, zeigt ein Befund aus dem Ahrtal. Dort vereinbarten örtliche Fachbetriebe, später die Wartung von Heizungsanlagen zu übernehmen, die auswärtige Kollegen eingebaut hatten. Diese Zusage erleichterte es, Hilfe von außerhalb anzunehmen. Für die Ofenbranche wäre ebenfalls zu untersuchen, wie Einbau, Ersatzteilversorgung und späterer Service zusammenpassen müssen. Hinzu kommt die Frage, wie belastbar solche Strukturen im Ernstfall sind: Wer springt ein, wenn ein Betrieb selbst betroffen oder überlastet ist? Welche Unterstützung lässt sich über Innungen, Verbände und Hersteller organisieren? Und wer beauftragt und bezahlt zusätzliche Leistungen für die Allgemeinheit?

Ein regionales Pilotprojekt könnte Antworten liefern. Ein Landkreis könnte gemeinsam mit Ofenbauern, Schornsteinfegern, Heizungsbauern, Feuerwehr und Versorgern einen längeren Versorgungsausfall durchspielen. Dabei ließe sich feststellen, welche Wärmequellen verfügbar wären, wo Fachleute gebraucht würden und an welchen Stellen Material, Informationen oder Zuständigkeiten fehlen. Für das ifh Göttingen und die Auftraggeber weiterer Untersuchungen wäre das eine lohnende Ergänzung der bisherigen Arbeit. Eine Folgestudie oder Neuauflage könnte Feuerstätten und die Fähigkeiten der zugehörigen Gewerke ausdrücklich einbeziehen. Die Ofenbranche könnte praktische Erfahrungen und Anlagenbeispiele beisteuern – als Grundlage für eine belastbare Antwort darauf, wann, wie und für wen ein Ofen im Krisenfall helfen kann.

 

Fotovermerk: Das Beitragsbild wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) bearbeitet.

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