Ein Kommentar von Dr. Johannes R. Gerstner, #ofenzukunft
Die erneuerbaren Energien legen zu. Das ist eine gute Nachricht. Der Energiewende-Newsletter des Bundeswirtschaftsministeriums berichtet in seiner Meldung zum ersten Halbjahr 2026 über mehr erneuerbaren Strom, mehr erneuerbare Energie im Verkehr und ein kräftiges Wachstum bei Umweltwärme und Geothermie. Wer den Beitrag liest, erfährt allerdings nicht, welcher Energieträger weiterhin knapp zwei Drittel der erneuerbaren Wärme bereitstellt: feste Biomasse, insbesondere Holz. Sie fehlt in der Grafik und im begleitenden Wärmetext. Die zugrunde liegende Veröffentlichung des Umweltbundesamtes nennt ihren Beitrag ausdrücklich und weist auch ein Wachstum von einem Prozent aus. In der Zusammenfassung des Ministeriums findet beides keinen Platz.
Nun kann ein Newsletter nicht jede Zahl wiedergeben. Redaktionelle Arbeit bedeutet Auswahl und Verdichtung. Aber der größte Beitrag zur erneuerbaren Wärmeversorgung ist keine nachrangige Einzelheit. Hinzu kommt eine Verschiebung in der Grafik: Bei Strom und Verkehr wird das Wachstum der erneuerbaren Energien im gesamten jeweiligen Sektor gezeigt. Bei Wärme stehen dagegen die 19 Prozent Zuwachs von Umweltwärme und Geothermie. Die Einschränkung ist beschriftet, doch die gleichartige Gestaltung legt einen Vergleich nahe, den die Zahlen so nicht hergeben. Die gesamte erneuerbare Wärmebereitstellung wuchs um drei Prozent. Das starke Wachstum der Wärmepumpen ist erfreulich und berichtenswert. Eine hohe Wachstumsrate und ein großer Versorgungsbeitrag beantworten allerdings unterschiedliche Fragen. Gute Kommunikation zur Energiewende sollte beides zeigen: Was gewinnt an Bedeutung, und was trägt heute bereits erheblich zur Versorgung bei?
Aus meiner Sicht steht dieser Beitrag beispielhaft für ein problematisches Muster in der Erzählung über die Wärmewende: Aufmerksamkeit erhält vor allem, was neu hinzukommt und schnell wächst. Was längst einen großen Beitrag leistet, wird als selbstverständlich vorausgesetzt und gerät aus dem Blick. Für die Holzenergie entsteht dadurch ein Sichtbarkeitsproblem. Aus einer einzelnen Veröffentlichung lässt sich keine gezielte Benachteiligung ableiten; über die Absichten der Redaktion zu spekulieren, führt deshalb nicht weiter. Die Wirkung der Auswahl verdient dennoch Aufmerksamkeit. Wer in der öffentlichen Darstellung der Wärmewende fehlt, wird auch als Teil ihrer Zukunft weniger wahrgenommen.
Sichtbarkeit ist für eine Branche mehr als eine Frage der Anerkennung. Öffentliche Kommunikation prägt Vorstellungen davon, welche Technologien relevant sind, wo Weiterentwicklung stattfindet und welche Lösungen zur Verfügung stehen. Auch Haushalte und Unternehmen orientieren sich daran, wenn sie langfristige Investitionen erwägen. Holzenergie muss sich dabei selbstverständlich Fragen nach nachhaltiger Herkunft, begrenzten Ressourcen, Effizienz und Emissionen stellen. Ihr heutiger Beitrag ersetzt diese Diskussion nicht. Er ist aber ein guter Grund, sie als ernsthaften Bestandteil der Wärmewende zu führen.
Unser Wunsch an die Redaktion ist deshalb überschaubar: Ergänzen Sie den Beitrag um die feste Biomasse und stellen Sie die Entwicklung des Wärmesektors auf derselben Grundlage dar wie Strom und Verkehr. Die Zahlen liegen vor – in der von Ihnen selbst verlinkten Quelle. Eine Wärmewende mit unterschiedlichen Technologien braucht eine Kommunikation, die deren Beiträge sichtbar macht. Knapp zwei Drittel der erneuerbaren Wärme sollten darin zumindest einen Satz wert sein.