Der frühere ARD-Wettermoderator äußert sich im Podcast „Ronzheimer“ grundsätzlich zu Holz- und Pelletöfen. Ein Faktencheck zeigt: Die Debatte ist deutlich komplexer.
Holz- und Pelletöfen seien „noch klimaschädlicher als Kohle, Öl und Gas“: Mit dieser weitreichenden Aussage hat Jörg Kachelmann in einer aktuellen Folge des Podcasts „Ronzheimer“ eine grundsätzliche Bewertung der Holzfeuerung vorgenommen. Er verbindet die These zudem mit der Vermutung, die politische Förderung von Holzenergie habe mit den Interessen von Waldbesitzern und Landwirtschaft zu tun, und verwendet für die Verbrennung im Kaminofen das Bild eines „Waldbrands zu Hause“. Eine fachliche Herleitung oder Quellen für diese pauschalen Aussagen nennt er im Gespräch nicht.
Kachelmann wurde einem breiten Publikum vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren als Wettermoderator der ARD und als Talkshowmoderator bekannt. Er studierte unter anderem Erdkunde beziehungsweise Geografie, beendete sein Hochschulstudium jedoch ohne Abschluss und wechselte anschließend in den Journalismus. Heute tritt er vor allem über sein Wetterportal und soziale Medien öffentlich in Erscheinung. Die Aussagen zur Holzfeuerung fallen in einem Gespräch, das sich ansonsten überwiegend mit Hitze, Klimawandel, Waldbränden und Klimaanpassung beschäftigt.
Was sagt die Wissenschaft?
Zunächst ist unstrittig, dass Holzverbrennung nicht emissionsfrei ist. Bei der Verbrennung entstehen neben Kohlendioxid auch Feinstaub, Kohlenmonoxid und weitere Luftschadstoffe. Wie hoch diese Emissionen ausfallen, hängt allerdings erheblich von Feuerungstechnik, Brennstoffqualität, Betriebsweise und Wartung ab. Das Umweltbundesamt weist deshalb insbesondere auf die Bedeutung moderner Anlagen, trockenen Brennstoffs und eines sachgerechten Betriebs hin.
Auch beim Klimaschutz lohnt sich eine präzise Sprache. Über den Begriff der CO₂-Neutralität von Holz wird seit Jahren fachlich diskutiert. #ofenzukunft verwendet deshalb bewusst den Begriff „CO₂-freundlich“. Der Kohlenstoff im Holz stammt aus Kohlendioxid, das ein Baum während seines Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen und im Holz gespeichert hat. Bei der Verbrennung wird dieser Kohlenstoff wieder als CO₂ freigesetzt; bei nachwachsender Biomasse wird zugleich erneut Kohlendioxid gebunden. Anders als bei Kohle, Erdöl oder Erdgas wird damit kein Kohlenstoff in den Kreislauf eingebracht, der über geologische Zeiträume dem atmosphärischen Kohlenstoffkreislauf entzogen war.
Wie dieser biogene Kohlenstoffkreislauf im konkreten Fall bilanziert werden sollte, ist Gegenstand einer offenen wissenschaftlichen Diskussion. Entscheidend sind unter anderem Herkunft und Nachhaltigkeit des Holzes, Waldentwicklung und Wiederbewaldung, der betrachtete Zeitraum, Transport und Aufbereitung sowie die Frage, welche alternative stoffliche Nutzung für das eingesetzte Holz bestanden hätte. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe beschreibt den geschlossenen biogenen Kohlenstoffkreislauf als zentralen Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern; das Umweltbundesamt hebt stärker die zeitliche Wirkung der Freisetzung und die Funktion des Waldes als Kohlenstoffsenke hervor. Gerade diese unterschiedlichen Gewichtungen zeigen, warum sich die Klimawirkung von Holzenergie nicht seriös mit einem einzigen Satz für jede Anlage und jede Brennstoffherkunft beantworten lässt.
Die pauschale Behauptung, Holz- oder Pelletofen seien grundsätzlich klimaschädlicher als Kohle-, Öl- oder Gasheizungen, lässt sich aus dieser differenzierten Diskussion daher nicht ableiten. Ebenso wenig wäre es sinnvoll, bestehende fachliche Fragen zur Klimabilanz auszublenden. #ofenzukunft greift diese Debatte deshalb regelmäßig mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Fachleuten aus unterschiedlichen Institutionen auf und stellt auch kritische Positionen zur Diskussion.
Ein reales Thema: Luftreinhaltung
Konkreter messbar als pauschale Klimaurteile sind die Luftschadstoffemissionen. Holzfeuerungen tragen zu Feinstaubemissionen bei; zugleich haben sich Feuerungstechnik, Verbrennungsregelung und Abgasreinigung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Für die politische Debatte ist deshalb nicht nur die Frage relevant, welche Emissionen entstehen, sondern ebenso, mit welchen technischen und regulatorischen Maßnahmen sie weiter reduziert werden können.
Ein ausgewiesener und gegenüber Holzfeuerungen ausgesprochen kritischer Gesprächspartner ist Dr. Axel Friedrich, langjähriger Experte für Luftreinhaltung und Berater der Deutschen Umwelthilfe. Friedrich fordert deutlich strengere Anforderungen an Holzfeuerungen, verweist zugleich aber ausdrücklich auf vorhandene technische Lösungen. Wirksame Filter und/oder Staubabscheider können Partikelemissionen um rund 90 Prozent reduzieren, weshalb die Deutschen Umwelthilfe den Einsatz solcher Technologie fordert.
„Auch mit zugespitzten und im Gespräch nicht näher wissenschaftlich belegten Aussagen muss man sich auseinandersetzen, wenn sie in der öffentlichen Debatte eine entsprechende Reichweite entfalten“, sagt Dr. Johannes R. Gerstner, politischer Berater der Initiative #ofenzukunft. „Für unsere politische Arbeit zur Luftreinhaltung ist es aber zielführender, die inhaltliche Auseinandersetzung mit ausgewiesenen Fachleuten wie Dr. Axel Friedrich zu führen. Dann sprechen wir über reale Emissionen, Messverfahren, Grenzwerte, Verbrennungsqualität und technische Abgasreinigung – und damit über konkrete Möglichkeiten, die Luftqualität tatsächlich weiter zu verbessern.“
Und die staatliche Förderung?
Auch die Erklärung, Biomasse werde in Deutschland vor allem wegen des politischen Einflusses von Waldbesitzern gefördert, bleibt im Podcast unbelegt. Nach der zum 21. Juli 2026 angepassten Bundesförderung für effiziente Gebäude gehören Biomasseheizungen weiterhin zu den förderfähigen Heizsystemen. Der frühere zusätzliche Emissionsminderungszuschlag von 2.500 Euro ist seit dieser Neuregelung allerdings entfallen. Die Förderung ist an technische Mindestanforderungen gebunden und wird in den kommenden Jahren bei den Emissionsanforderungen weiter verschärft. Diese Förderungen gelten allerdings nur für Kessel und zum Teil für Pelletöfen. Förderungen für Einzelraumfeuerstätten existieren nicht bzw. spielen keine Rolle.
Für Pellet- und Hackschnitzelkessel gilt derzeit bei der Förderung ein Staubwert von höchstens 10 mg/m³; bei Pelletöfen und Anlagen zur Verbrennung von Scheitholz liegt die entsprechende Anforderung derzeit bei 15 mg/m³. Ab dem 1. Oktober 2027 soll für alle geförderten Biomasseanlagen ein Staubwert von höchstens 2,5 mg/m³ gelten. Die Entwicklung zeigt damit eher eine zunehmende Verknüpfung von Förderung und anspruchsvollen Emissionsanforderungen als eine pauschale politische Privilegierung der Holzfeuerung.
Faktencheck statt Glaubensfrage
Die Aussagen im Podcast berühren reale Fragen. Holzverbrennung verursacht Emissionen, Feinstaub aus Feuerstätten ist ein Thema der Luftreinhaltung und die Bilanzierung des biogenen Kohlenstoffkreislaufs wird wissenschaftlich diskutiert. Daraus folgt jedoch nicht, dass Holz- und Pelletfeuerungen unabhängig von Brennstoff, Technik und Nutzungssituation pauschal schlechter zu bewerten wären als sämtliche fossilen Heizsysteme.
Eine sachliche Debatte sollte deshalb weder bestehende Herausforderungen kleinreden noch komplexe Zusammenhänge auf eingängige Pauschalurteile reduzieren. Entscheidend sind belastbare Messdaten, nachvollziehbare Bilanzierungsannahmen, moderne Feuerungstechnik und wirksame Möglichkeiten der Emissionsminderung. Genau diese Diskussion will #ofenzukunft weiterhin mit Wissenschaft, Umweltverbänden, Politik und Technik führen.
Der vollständige Podcast „Der große Hitze-Irrtum der Deutschen. Mit Jörg Kachelmann“ einschließlich Transkript ist bei Ronzheimer auf Podigee abrufbar. Dort lassen sich die Aussagen im Wortlaut und im Zusammenhang des gesamten Gesprächs nachvollziehen.