Als Partner der Länderinitiative Holzenergie war der GVOB beim Start des Wood Energy Regions Network vertreten – mit Robert Mülleneisen und Dr. Johannes Gerstner für #ofenzukunft vor Ort
Mit dem Wood Energy Regions Network (WERN) haben vier europäische Regionen in Brüssel ein neues Bündnis für nachhaltige Holzenergie gegründet. Bei der Gründungsveranstaltung am 9. September waren auch Robert Mülleneisen, Präsident des Gesamtverbands Ofenbau (GVOB) und Sprecher der Initiative #ofenzukunft, sowie Dr. Johannes Gerstner, Advisor der Initiative #ofenzukunft, dabei. Der GVOB ist seit 2025 Partner der Länderinitiative Holzenergie, an deren Ansatz WERN auf europäischer Ebene anknüpft.
Bayern, die Steiermark sowie die spanischen Regionen Castilla-La Mancha und Castilla y León haben am 9. September das Wood Energy Regions Network gegründet. Das Netzwerk soll Regionen mit starker Wald-, Holz- und Bioenergiewirtschaft enger miteinander verbinden und ihre Interessen in der europäischen Energie-, Klima- und Wärmepolitik sichtbarer machen. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Initiatoren bessere europäische Rahmenbedingungen für nachhaltige Holzenergie, faire Förderbedingungen, weniger Bürokratie und ein stärkerer Austausch zwischen den beteiligten Regionen.
Für den GVOB ist die Gründung eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Vernetzung. Der Verband gehört seit November 2025 zur Länderinitiative Holzenergie, die aus dem bayerischen Pakt Holzenergie hervorgegangen ist und inzwischen Ministerien und Verbände aus zahlreichen Bundesländern zusammenbringt. WERN überträgt diesen Gedanken nun auf die europäische Ebene. Die Ofenbranche ist damit nicht Gründungsmitglied des Regionennetzwerks, war bei dessen Start in Brüssel aber unmittelbar vertreten.
Dass der Ofenbau dabei eine eigene Perspektive einbringt, ist wichtig. Die Holzenergiedebatte wird häufig aus Sicht von Heizwerken, Zentralheizungen oder industrieller Wärme geführt. Kamin-, Kachel- und Grundöfen erfüllen in vielen Gebäuden jedoch eine andere Funktion: Sie sind nicht unbedingt die Hauptheizung, sondern eine zusätzliche Wärmequelle, die zum Beispiel eine Wärmepumpe oder eine andere Zentralheizung ergänzt. Gerade diese Rolle kann energiepolitisch leicht unterschätzt werden, obwohl sie für Versorgungssicherheit und für die Entlastung des Stromsystems relevant sein kann.
Auch das Bayerische Wirtschaftsministerium stellt diesen Zusammenhang beim Start von WERN ausdrücklich heraus. Holzenergie könne als „Teamplayer“ mit Wärmepumpen und Solarthermie zusammenwirken und elektrische Spitzenlasten reduzieren. Zugleich verweist der Freistaat darauf, dass rund zwei Millionen Haushalte in Bayern im Krisenfall von stromunabhängiger Wärme durch holzbetriebene Einzelraumfeuerstätten profitieren könnten. Damit rückt neben der klassischen Hauptheizung gerade die ergänzende Feuerstätte in den Blick.
„Für uns ist wichtig, dass der Holzofen in der europäischen Wärmedebatte nicht deshalb übersehen wird, weil er in vielen Häusern nicht als Hauptheizung geführt wird“, sagt Robert Mülleneisen. „Eine moderne Feuerstätte ist häufig bewusst Teil eines hybriden Wärmekonzepts. Sie gibt zusätzliche Wärme, wenn sie gebraucht wird, kann andere Heizsysteme entlasten und schafft zugleich eine unabhängige Reserve. Genau diese praktische Realität muss auch in Brüssel vorkommen.“
Aus Sicht von #ofenzukunft sollte die europäische Energiepolitik deshalb stärker darauf schauen, wie Wärme in den Haushalten tatsächlich erzeugt wird. Ein Gebäude mit Wärmepumpe und Kaminofen lässt sich nicht sinnvoll allein über die Frage beschreiben, welches Gerät formal die Hauptheizung ist. An kalten Tagen kann die zusätzliche Holzfeuerung einen erheblichen Teil der Wärmelast übernehmen. Das macht sie nicht zur Konkurrenz der Wärmepumpe, sondern kann sie gerade in Zeiten hoher Stromnachfrage sinnvoll ergänzen.
„Wir denken Wärme politisch noch zu oft in Entweder-oder-Kategorien“, sagt Johannes Gerstner. „Die Praxis ist längst weiter. Wenn eine Wärmepumpe die Grundversorgung übernimmt und eine moderne Feuerstätte an besonders kalten Tagen zusätzliche Wärme liefert, kann das gleichzeitig Versorgungssicherheit schaffen und das Stromsystem entlasten. Ein europäischer Rahmen sollte deshalb nicht nur fragen, welches System die Hauptheizung ist, sondern welchen tatsächlichen Beitrag unterschiedliche Wärmequellen im Zusammenspiel leisten.“
Der Zeitpunkt für diese Debatte ist günstig gewählt. In Brüssel werden derzeit wichtige Weichen für die Energie- und Wärmepolitik nach 2030 gestellt. WERN will die Erfahrungen wald- und holzreicher Regionen frühzeitig einbringen und darauf drängen, regionale Unterschiede stärker zu berücksichtigen. Für den Ofenbau ist das die Chance, moderne Einzelraumfeuerstätten als Ergänzung anderer Heizsysteme sichtbarer zu machen. WERN ist kein spezielles Ofenbündnis, berührt aber zentrale Fragen ihrer energiepolitischen Zukunft.